Sport : Verfrühtes Geschenk

Dariusz Michalczewski kann wieder ernsthaft an ein Boxduell mit dem in den USA zum besten Boxer des Jahres gekürten Bernard Hopkins glauben. Der Weltmeister im Mittelgewicht hat die für den 2. Februar in seiner Heimatstadt Philadelphia geplante Titelverteidigung gegen seinen Landsmann Carl Daniels abgesagt und damit den Weg zum Duell mit dem ungeschlagenen WBO-Halbschwergewichts-Champion aus dem Hamburger Universum Boxstall geebnet. Hopkins weigerte sich, den mit einer Börse von drei Millionen Dollar (6,6 Millionen Mark, rund 3,3 Mio. Euro) dotierten Kampfvertrag zu unterschreiben, weil ihm Promotor Don King keine Details zu den Verhandlungen mit dem TV-Sender HBO über seinen künftigen Vertrag offenbaren wollte.

"Ich möchte wissen, was über meine Zukunft hinter meinem Rücken ausgehandelt wurde. Ich habe kein Vertrauen mehr, dass der Kampf gegen Daniels stattfinden könnte. Ich riskiere doch nicht meine Fähigkeiten zum Geldverdienen", sagte Hopkins, der am selben Tag seine Titelverteidigung bestreiten sollte wie sein und Michalczewskis Erzrivale Roy Jones. Der Halbschwergewichts-Weltmeister der WBA, IBF und WBC wird vom Australier Glen Kelly herausgefordert. Danach sollten vermutlich Hopkins und Jones noch einmal aufeinander treffen. Am 22. Mai 1993 hatte Hopkins im Duell um die IBF-Weltmeisterschaft im Mittelgewicht umstritten nach Punkten verloren. Mit ähnlichen Ausflüchten wie bei Michalczewski weigerte sich Jones seitdem, gegen den 36 Jahre alten Profi noch einmal anzutreten.

Bei der Ehrung zum "Boxer des Jahres" war Michalczewski von Hopkins (40 Siege/3 Niederlagen) in den Kreis der Herausforderer einbezogen worden. Auch PR-Manager Norman Horton meinte, der Kampf gegen Michalczewski sei gewiss möglich. Hopkins hatte im September durch technischen K. o. in der 12. Runde gegen Felix Trinidad (Puerto Rico) die WM-Gürtel der WBA, WBC und IBF erkämpft und wurde erster uneingeschränkter Weltmeister im Mittelgewicht seit Marvin Hagler 1987.

"Diese Nachricht ist ein wunderschönes verfrühtes Weihnachtsgeschenk. Sie kommt genau zum richtigen Zeitpunkt. Die Konstellationen sind jetzt hochinteressant", sagte Universum-Chef Klaus-Peter Kohl, der gegenwärtig in Verhandlungen mit den amerikanischen TV-Stationen steht. Hopkins sei der viel seriösere Boxer. Nach dem technischen K.-o-Sieg Michalczewskis in der elften Runde in Berlin gegen den Jamaikaner Richard Hall solle sein Schützling den Urlaub genießen. "Denn das nächste Jahr wird anstrengend genug für ihn", meinte Klaus-Peter Kohl.

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