Sport : Vergangenheit, die nicht vergeht

Vogts kann das Besondere am Spiel gegen Völler nicht leugnen

-

Wolfsburg (dpa). Das Geplänkel um das Duell Völler gegen Vogts hat begonnen. Fünf Tage vor dem Spiel zwischen Schottland und Deutschland in der Qualifikation für die FußballEuropameisterschaft 2004 ist das verbale Vorspiel eröffnet. „Dazu stehe ich: Das ist für mich das Spiel des Jahres“, sagte der deutsche Teamchef Rudi Völler und reagierte damit auf den Vorwurf des früheren Bundestrainers Berti Vogts, der seinem ehemaligen Schützling Übertreibung vorwarf. „Rudi schaukelt dieses Spiel zu hoch. Ich weiß nicht, warum. Er braucht nicht etwas aufzubauen, was nicht vorhanden ist“, hatte Vogts via „Kicker“ ins Quartier der deutschen Mannschaft nach Wolfsburg übermittelt. Vogts versammelte sein Aufgebot am Montag in Dumbarton westlich von Glasgow, wo das Spiel am Samstag stattfindet..

„Das ist das wichtigste Spiel. Das ist auch in anderen Gruppen so, wenn die vermeintlich besten Mannschaften aufeinander treffen“, sagte Völler. Und dass eine Brisanz durch die Person Vogts in dieses wichtige Qualifikationsspiel kommt, sei „ja logisch“, meinte der Teamchef: „Er war lange Bundestrainer, er war zwei Mal mein persönlicher Trainer.“ Schon in der Junioren-Nationalmannschaft war Völler unter Vogts auf Torejagd gegangen.

Auch Vogts wollte das Besondere nicht ganz beiseite schieben: „20 Jahre für den DFB als Trainer und elf Jahre als Nationalspieler waren eine wunderschöne und erfolgreiche Zeit. Es wird kein einfaches Spiel für mich.“ Seine Informationsreise zum 4:1-Sieg der deutschen Mannschaft am Sonntag gegen Kanada beendete Vogts lange vor dem Abpfiff. Sein kurzer Kommentar: „Das war ein nettes Trainingsspielchen.“

Für den 56-jährigen Vogts, der in 102 Länderspielen als Bundestrainer nur zwölf Niederlagen kassierte, ist es das erste Aufeinandertreffen mit seiner Vergangenheit. Er habe jedoch eine Mission und wolle das „Unmögliche möglich machen“, sprich gegen Deutschland gewinnen. Als Trainer der schottischen Nationalmannschaft musste er bereits neun Niederlagen in 15 Spielen verkraften. „Berti macht es uns nicht besonders leicht, weil er zuletzt viele Spieler eingesetzt hat und mit unterschiedlichen Systemen spielen ließ“, sagte Völlers Assistent Michael Skibbe, der die Schotten in den letzten Monaten intensiv beobachtet hat. „Es kann schon eine Überraschung in der Aufstellung geben, aber wir sind darauf vorbereitet“, ergänzte der Bundestrainer.

Motivieren müssen Skibbe und Völler ihre Spieler ohnehin nicht. Einige ließen bereits deutlich durchblicken, dass sie ein Wiedersehen mit dem einstigen Trainer (auch in Leverkusen) richtig motiviere. „Mein Verhältnis zu ihm ist ja bestens bekannt“, sagte Michael Ballack, der mit Vogts in seiner Leverkusener Zeit ein ums andere Mal aneinandergeraten war. Sein einstiger Vereinskollege Bernd Schneider gab sich diplomatischer: „Mit dem Wiedersehen habe ich keine Probleme. Ich spiele gegen Schottland, nicht gegen Berti Vogts.“

0 Kommentare

Neuester Kommentar