Vergebene Chancen : Hertha und die Angst vor dem Tor

Die Niederlage gegen Wolfsburg offenbart eine neue Variante der Hertha-Krise: Die Berliner scheitern jetzt nicht mehr an einem vermeintlich übermächtigen Gegner, sondern an sich selbst.

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Ohne Köpfchen. Adrian Ramos vergab im Spiel die besten Chancen, so wie hier beim Kopfball frei vor Wolfsburgs Torwart Diego Benaglio.
Ohne Köpfchen. Adrian Ramos vergab im Spiel die besten Chancen, so wie hier beim Kopfball frei vor Wolfsburgs Torwart Diego...Foto: Matthias Koch

Patrick Helmes tänzelte als einer der Letzten durch die Mixedzone. Das ist jener Bereich, wo nach einem Spiel im bezahlten Fußball Spieler und Journalisten für ein paar Minuten aufeinander treffen. Der 28 Jahre alte Stürmer des VfL Wolfsburg war am Samstagabend einer der gefragtesten, er hatte zwei Tore erzielt beim 4:1-Sieg der Niedersachsen im Berliner Olympiastadion, und so eilte er von einem Interview zum nächsten. Seine Geschichte ist einfach zu schön. Vor sieben Wochen galt er faktisch als aussortiert, er hockte auf der Tribüne, wenn sein Team kickte. Dann bekam er eine neue Chance. Die nutzte er. In den vergangenen sechs Spielen hat er sechs Tore erzielt. „Vor sechs Wochen war ich praktisch der Absteiger des Jahres, jetzt der Comebacker des Jahres. So einfach ist das“, sagte Helmes.

Wenn man so will, ist Patrick Helmes so etwas wie der Gegenentwurf zu Hertha BSC. Vor sechs Wochen, als Otto Rehhagel den Berliner Bundesligisten als dritter Cheftrainer der Saison übernahm, stand Hertha mit 20 Punkten auf dem 15. Tabellenplatz, drei Mannschaften hinter sich. Inzwischen aber ist die Lage bedrohlich wie noch nie in dieser Spielzeit. Der Rückstand auf einen Nicht-Abstiegsplatz ist bereits auf vier Punkte angewachsen. Nur eine Woche nach dem 3:1-Sieg in Mainz haben sich die Hoffnungen auf den Klassenerhalt zerschlagen. Als die Spieler nach dem Spielende sich verzagt aufmachten in die Kurve ihrer Fans, schlugen ihnen böse Pfiffe entgegen. Vielleicht war das der Augenblick, als sie für sich beschlossen haben, sich der Öffentlichkeit ganz zu verweigern. Wortlos stapften sie durch die Mixedzone, ließen die Reporter stehen.

Ein Porträt in Bildern von Herthas Manager Michael Preetz:

Die Karriere von Michael Preetz
Die beiden haben gut lachen: Herthas Trainer Jos Luhukay (l.) freut sich über Herthas gelungenen Saisonstart und Michael Preetz freut sich über seine vorzeitige Vertragsverlängerung als Manager bis 2017.Weitere Bilder anzeigen
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24.10.2013 14:52Die beiden haben gut lachen: Herthas Trainer Jos Luhukay (l.) freut sich über Herthas gelungenen Saisonstart und Michael Preetz...

„Manches Mal ist es besser, wenn man gar nichts sagt“, sagte Otto Rehhagel hinterher und meinte damit wohl nicht nur die Spieler. Michael Preetz, Herthas Geschäftsführer Sport, Medien und Kommunikation, war wie vom Erdboden verschluckt. Bei den Berlinern geht anscheinend die Angst vor der Selbstzerfleischung um. „Es ist wichtig, dass die Spieler keine Schuldzuweisungen machen. Jetzt dürfen keine falschen Worte fallen.“ Sein Resümee zum Spiel presste er in einen Satz: „Wer keine Tore schießt und solche Chancen auslässt, kann kein Spiel gewinnen.“

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