Sport : Vergessen und trainieren

Das 91:79 gegen Gießen zeigt Alba die Fehler dieser Saison auf

Benedikt Voigt

Berlin. Was den Basketballern von Alba Berlin fehlte, schallte in der Halbzeit als Refrain durch die Max-Schmeling-Halle. „Burn baby burn“ empfahlen „The Trammps“ in ihrem Lied „Disco Inferno“, doch in der ersten Halbzeit brannte kein Berliner Spieler vor Ehrgeiz oder Spielfreude. Sogar Piffe und Buhrufe hatte sich das Heimteam von einigen der 5206 Zuschauer anhören müssen, als es mit 0:11 Punkten startete. Trainer Emir Mutapcic sagte über die Darbietung seiner Mannschaft im ersten Viertel (13:23): „Vielleicht war das eine kleine Depression nach dem Europaligaspiel gegen Wroclaw.“

Immerhin, in der zweiten Halbzeit rissen sich die Berliner Basketballer zusammen und gewannen das Bundesligaspiel gegen den Tabellenvorletzten Gießen 46ers mit 91:79 (38:41). Alba Berlin verteidigte die Tabellenspitze in der Bundesliga, dennoch bekam der amtierende Deutsche Meister einmal mehr vor Augen geführt, woran es in dieser Saison krankt: An der Verteidigung. „Die Spieler haben keine Freude daran, Defense zu spielen“, sagt Trainer Emir Mutapcic, „sie denken, sie können alles mit einem guten Wurf lösen.“ Szymon Szewczyk zählt zum Beispiel zu jenen Spielern. „Er hat die gleiche Art von Basketball gespielt“, sagte Mutapcic. Er setzte den Polen nur zehn Minuten ein.

Auch über Vladimir Petrovic ärgerte sich der Trainer. „Er muss in der ersten Halbzeit ausblocken und Rebounds holen“, sagt Mutapcic. Weil Petrovic das nicht tat, nahm ihn der Trainer schnell aus dem Spiel. Mit null Punkten und null Rebounds ging Petrovic in die Pause. In der Halbzeit machte ihm Mutapcic noch einmal deutlich, dass er sich eine engagiertere Verteidigung und Rebounds von ihm wünscht. Fortan hielt sich der Serbe an diese Anweisung, schnappte sich sechs Rebounds und traf plötzlich auch in der Offensive. Am Ende hatte er 16 Punkte gesammelt. Nur sein Landsmann Jovo Stanojevic übertraf ihn noch mit 21 Punkten und zehn Rebounds.

Mit einem 11:0-Zwischenspurt hatte sich Alba nach der Pause erstmals abgesetzt von jenem Team, gegen das man noch im Hinspiel verloren hatte. Doch Gießen ließ sich nicht abschütteln und hielt bis zur 34. Spielminute Kontakt: 71:68. Gießens Aufbauspieler John Thomas fiel mit 29 Punkten und seiner eigenwilligen Freiwurftechnik auf. Bevor er den Ball auf den Korb wirft, klemmt er sich mit der linken Hand noch schnell die Hose in den Schritt. Dann erst wirft der 1,77 Meter große US-Amerikaner.

Derartige Extravaganzen leistet sich Marko Pesic nicht. Der Berliner Flügelspieler war in der ersten Halbzeit die löbliche Ausnahme im Berliner Team. Er brannte auf seinen Einsatz, weil er wegen einer Knieverletzung lange aussetzen musste. „Es ist positiv, dass Marko wieder zurück ist“, sagt Mutapcic, „das hilft uns mental und spielerisch.“ In der ersten Halbzeit erzielte Pesic elf Punkte, am Ende waren es zwölf.

Mutapcic war froh, als das Spiel vorbei war. Gedanklich bereitete er schon das Europaligaspiel am Mittwoch gegen Valencia vor. Das empfahl er auch seinen Spielern: „Zwei Punkte, schnell vergessen und trainieren.“

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