Sport : Vergessene Stärke

Alba Berlin vernachlässigt in dieser Saison die Defensive

Benedikt Voigt

Berlin. Als Niederlagensender hat sich TV Berlin in dieser Saison erwiesen. Zehnmal übertrug der lokale Fernsehsender ein Livespiel von Alba Berlin, achtmal verloren die Berliner Basketballer. Was nicht am Sender liegt, sondern an den Rechten, die er erworben hat. TV Berlin überträgt ausschließlich Spiele der Europaliga, und dort ist es für Alba deutlich schwerer als in der Bundesliga, als Sieger vom Platz zu gehen. Das dürfte sich auch heute wieder zeigen, wenn der Klub, der gestern den Ende Januar auslaufenden Vertrag mit Marko Verginella nicht verlängerte, beim spanischen Tabellenführer Tau Vitoria (20.30 Uhr, live auf TV Berlin) antritt. Alles andere als die neunte Niederlage wäre eine große Überraschung. Trotzdem könnte es sich lohnen, den Fernseher einzuschalten. Weil sehr viele Punkte fallen dürften.

Es trifft die drittbeste Angriffsmannschaft der Europaliga auf die drittschwächste Verteidigung. Vitoria erzielt durchschnittlich 84,6 Punkte in der Offensive, Alba lässt durchschnittlich 85,3 Punkte zu. Mehr Punkte als die Berliner kassieren nur noch Krka Novo Mesto (85,7) und Skipper Bologna (87). Die Verteidigung ist das große Manko dieser Saison.

„Es macht uns keinen Spaß zu verteidigen“, klagte Emir Mutapcic. Dabei rühmt sich der Klub seit den Tagen von Trainer Svetislav Pesic, diese Aufgabe besonders gut zu beherrschen. „Unsere Verteidigung ist tatsächlich nicht so gut wie in der Vergangenheit“, sagt Kotrainer Burkhardt Prigge, „aber wir haben unser Konzept nicht geändert, wir haben die Verteidigung sogar weiter entwickelt.“ Hauptursache für die vielen kassierten Punkte dürfte das neue Personal sein, dass in dieser Saison zur Verfügung steht. Statt der Defensivspezialisten Jörg Lütcke, Henrik Rödl oder Quadre Lollis stehen in John Best, Vladimir Petrovic und Szymon Szewczyk ausgewiesene Angriffsspieler im Team. „Wir haben jetzt mehr Spieler, die offensiv talentiert sind“, sagt Prigge.

Zum Beispiel Vladimir Petrovic. In der vergangenen Woche erzielte der Serbe spektakuläre 34 Punkte bei der Niederlage gegen Valencia, in der Europaliga rangiert er mit 17,7 Punkten pro Spiel als siebtbester Werfer. Doch über seine defensiven Qualitäten sagt Prigge höflich: „Er spielt nicht die beste Verteidigung.“ Seine Position ist in dieser Saison ein Problem in der Defensive, weil Rödl, Lütcke und Guido Grünheid nicht zur Verfügung stehen. „Es gibt keinen komplimentären Spieler zu Petrovic, der die Verteidigung schon 100 Millionen Mal trainiert hat.“

Was tut Alba? „Wir können nur versuchen, im Training noch mehr die fundamentalen Dinge zu verbessern“, erklärt Prigge. Eine Zonenverteidung statt der Manndeckung sei keine Alternative, weil man damit dem anderen Team die Initiative überlässt. So wird Alba auch heute wieder versuchen, per Manndeckung die Wirkungskreise gegnerischer Stars wie Arvydas Macijauskas und Andres Nocioni einzuschränken. „Aber es gibt so viele gute Spieler“, sagt Prigge. Es klingt fast ein wenig ratlos.

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