Sport : Vergiftete Medaillen

Frank Bachner

Schön, dass Wolfgang Schüssel das Ganze so griffig formuliert hat. Als Bundeskanzler der Republik Österreich ist er schließlich verpflichtet, das Selbstbewusstsein der Nation zu stärken. Oder, in diesen Tagen, wenigstens wiederherzustellen. „Das ist die schönste Antwort auf die Affäre“, hat er verkündet. Die Affäre, das sind Dopingvorwürfe gegen österreichische Athleten, und die Antwort sind mehrere Goldmedaillen für Österreich. Nur hat das eine mit dem anderen wenig zu tun.

Die wahren Antworten auf den Dopingskandal stehen jedenfalls noch aus. Unklar ist, weshalb der österreichische Verband den skandalumwitterten Trainer Mayer auf ein Mannschaftsfoto setzen ließ, ungeklärt, warum Mayer in einem Mannschaftshotel übernachten durfte. Vor allem aber ist nicht klar, wann der österreichische Verband mit seinem Präsidenten Schröcksnadel die Dimension des Skandals begreift. Und wann er endlich gegensteuern will. Nicht so schnell, das steht nach seinem erschreckenden Auftritt bei der Pressekonferenz vom Dienstag zu vermuten.

Zugleich instrumentalisiert Schüssel Österreichs Olympiasieger für die Aufarbeitung einer Affäre. Die werden nun auch noch hochoffiziell in die Nähe eines Skandals gezogen, mit dem sie in Wirklichkeit nichts zu tun haben. An den Stammtischen dürfte diese Nähe längst hergestellt sein. Österreichs Sportler in Turin stehen jetzt unter Generalverdacht. Je erfolgreicher sie sind, umso mehr scheinen sie in den Skandal verstrickt zu sein. Ein Pauschalurteil. Aber durch ihre panische Entsorgung von Spritzen und ihre Flucht haben Österreichs Biathleten dieses Pauschalurteil provoziert. Es ist schwer, sich wirksam dagegen zu wehren. Erfolge können auch zum Fluch werden.

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