Sport : Vergiss Italien

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Benedikt Voigt über das BeinaheExil des FC Bayern München

Irgendwann in den letzten Tagen muss Franz Beckenbauer aufgefallen sein, dass es doch ganz gut ist, mit dem FC Bayern München in der deutschen Bundesliga zu spielen. Und nicht in der italienischen Liga, wie er im Streit mit der Deutschen Fußball-Liga (DFL) um den geheimen Kirch-Vertrag seines Klubs mehr oder weniger ernsthaft gedroht hatte. Denn womit müsste sich der Aufsichtsratsvorsitzende jetzt beschäftigen, wenn er seinen Klub beim italienischen Fußballverband Federcalcio angemeldet hätte? Mit gefälschten Bankbürgschaften, Klagen und Gegenklagen, Hausdurchsuchungen, Staatsanwälten und so weiter und so weiter.

Es ist bereits die zweite Saison in Folge, in der Italiens Fußball vor Saisonbeginn ein desaströses Bild abgibt. Fast alle Klubs haben finanzielle Probleme, und manche, so stellt sich jetzt heraus, erhielten in der Vergangenheit ihre Lizenz nur aufgrund unlauterer Machenschaften. Nun ist es nicht so, dass so etwas in der Bundesliga unmöglich wäre. Dem 1. FC Kaiserslautern etwa werden in dieser Saison drei Punkte abgezogen, weil er gegen Lizenzrichtlinien verstoßen hat. Und vor einem Jahr war Frankfurts späte Lizenzerteilung für die Zweite Liga umstritten. Aber keiner dieser Fälle erreicht die Dimension des aktuellen Fußballskandals in Italien. Inzwischen stehen bereits zehn Vereine der ersten vier Ligen in Verdacht, gefälschte Bankbürgschaften eingereicht zu haben. Mit jeder negativen Nachricht dürfte sich für den FC Bayern die Attraktivität der heimischen Liga erhöhen. Der Kanzler hat es vorgemacht: Am Schönsten ist es doch zu Hause.

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