Sport : Verhandlung ohne Zeuge

Panne im Wettskandal-Prozess gegen Ex-Profi Karl

Sven Goldmann

Berlin - Es ist ruhig geworden im Saal 500 des Kriminalgerichts Moabit. Viele Plätze im Zuschauerraum und auf der Anklagebank bleiben leer, als es im Prozess um manipulierte Fußballspiele in den zehnten Verhandlungstag geht. Die Urteile gegen Robert Hoyzer, Ante Sapina und Co. sind gesprochen, jetzt tagt die 12. Strafkammer des Landgerichts Berlin nur noch im Fall Steffen Karl. Das Urteil gegen den ehemaligen Fußballspieler soll bis zum 15. Dezember verkündet werden.

Mit dem öffentlichen Interesse machen sich auch die Zeugen rar. Ex-Profi Torsten Bittermann, der Karl an den Wettmanipulator Sapina vermittelt haben soll, ist am Dienstag gar nicht erst gekommen. Da müsse wohl was mit der Ladung nicht richtig gelaufen sein, sagt die Vorsitzende Richterin Gerti Kramer. Dann spaziert ein junger Mann zur Tür herein, Karl flüstert seinem Anwalt etwas zu, und der sagt: „Ich höre gerade, dass ein Zeuge den Saal betreten hat. Es soll sich um Herrn Markus Ahlf handeln.“ – „Ja, das bin ich“, sagt der junge Mann. Markus Ahlf soll wie Karl als Spieler des Chemnitzer FC Geld für absichtliches Schlechtspielen erhalten haben, und natürlich erzählt er dem Gericht, dass er mit der Sache nichts zu tun habe. Ahlf kommt ohne Anwalt und sagt, er kenne Sapina nicht. Karl habe mal von ihm erzählt, aber erst nachdem der Verdacht an die Öffentlichkeit gelangt war.

Frau Kramer entlässt Herrn Ahlf, dann debattiert sie mit Staatsanwaltschaft und Verteidigung, wer am nächsten Verhandlungstag am 1. Dezember aussagen soll. Man einigt sich auf die Schiedsrichter-Assistentin Inka Müller, die Hoyzer zur Rücknahme eines irregulären Elfmeters gedrängt hatte, Karls ehemaligen Trainer Frank Rohde und den Duisburger Torhüter Georg Koch. Den wollte Karl telefonisch zur Manipulation überreden, als er noch in Cottbus das Tor hütete. Dies ist der einzige Vorwurf, den Karl einräumt.

Dann hebt die Richterin noch den Haftbefehl gegen Steffen Karl auf, der seit März ohnehin außer Kraft gesetzt war. Karls vermeintlicher Mittelsmann Bittermann soll auch aussagen, aber erst am 8. Dezember. Bis dahin sollte das mit der Ladung klappen.

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