Sport : Verhandlungsschach

Anand und Kramnik planen ihren WM-Kampf

Martin Breutigam

Bremen - Viswanathan Anand braucht keinen Manager. Aruna, die Ehefrau des Schachweltmeisters, kümmert sich auch um solche Sachen. Etwa darum, unter welchen Bedingungen ihr Vishy im kommenden Jahr einen WM-Kampf gegen seinen Vorgänger Wladimir Kramnik spielt. „Die Gespräche laufen, das macht alles Aruna, ich kann so etwas nicht“, sagte Anand in Bremen, am Rande eines Spiels der Schachbundesliga.

Immerhin, sie verhandeln, was nach jüngsten Zweifeln darauf hindeutet, dass es doch einen WM-Kampf geben wird. Diesen hatte sich Kramnik, der Weltmeister von 2000 bis 2007, vom Weltschachbund Fide zusichern lassen, sofern er – wie Ende September tatsächlich eingetreten – beim WM-Turnier in Mexiko seinen Titel verlieren sollte.

Noch hat Anand nicht unterschrieben, einige Punkte sind offenbar noch strittig. Etwa die Frage, ob ihm als Weltmeister am Ende schon ein Unentschieden genügte, um den Titel zu verteidigen. Festzustehen scheint, dass sie sich auf neutralem Terrain gegenübersitzen werden, nicht in Indien oder Russland, den Heimatländern der beiden weltbesten Spieler. Eher in Deutschland, weil der von der Fide ausgewählte Veranstalter UEP hier ansässig ist. „In Deutschland würde ich gerne spielen“, sagte Anand.

Derweil wird in Chanty Mansijsk in Sibirien schon ein möglicher Herausforderer für den folgenden WM-Kampf 2009 ermittelt. Wie Feuer und Eis unterscheiden sich die beiden Großmeister, die bei diesem K.o.-Weltcup noch übrig geblieben sind: Der für Spanien startende Lette Alexei Schirow sieht nach eigenen Worten gerne „Flammen auf dem Brett“; während Gata Kamsky aus den USA einen kühlen, ungemein zähen Stil pflegt. Vor drei Wochen waren 128 Spieler in Sibirien angetreten, fast alle sind schon wieder zu Hause. Gestern begann das auf vier Partien angesetzte Endspiel zwischen Schirow und Kamsky: mit einem Remis.

Eigentlich sollte der Gewinner des Weltcups der Herausforderer des Weltmeisters im Jahr 2009 werden – ehe der Weltschachbund vor einigen Monaten die eigenen Regeln änderte. Nun wird dem Sieger von Chanty Mansijsk noch ein Wettkampf bevorstehen, und zwar gegen den Bulgaren Wesselin Topalow, der vor einem Jahr Wladimir Kramnik in einem skandalösen WM-Kampf unterlegen war. „Ich verstehe das nicht, es wirkt lächerlich“, kommentierte der Weltklassespieler Alexander Morosewitsch diese umstrittene Entscheidung der Fide. Angesichts seiner schlechten Beziehung zu Topalow würde ein solches Match ohnehin niemals stattfinden, sagte Morosewitsch und zog seine Teilnahme am Weltcup zurück. „Ich könnte kein Turnier spielen, ohne motiviert zu sein, es zu gewinnen.“

Während etliche Favoriten rasch ausschieden, blieben Kamsky und Schirow ungeschlagen. Beide haben je sechs Gegner ausgeschaltet. Die zweite Finalpartie eröffnet Kamsky am heutigen Freitag mit Weiß. Martin Breutigam

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