Sport : Verharmlosung in Wiederholung

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Stefan Hermanns über das endgültige Ende des FußballBooms

„Die Rente ist sicher“, hat Norbert Blüm immer gesagt, als er Arbeits- und Sozialminister war. Wenn Blüm heute noch im Amt wäre, würde er vermutlich von der Opposition vor einen Lügenausschuss gezerrt werden. Aber vielleicht hat Blüm wirklich geglaubt, was er gesagt hat. Vielleicht hat Werner Hackmann, Chef der Deutschen Fußball- Liga (DFL), das auch getan, als er auf dem Höhepunkt der Kirch-Krise verkündete: „Wir sehen keinen Handlungsbedarf. Wir gehen davon aus, dass die Verträge erfüllt werden.“ Drei Monate später gab es neue Verträge, die der DFL Einbußen von 240 Millionen Euro bescherten. Unter den Folgen, vor allem unter der Verharmlosung der Krise leiden die 36 deutschen Profiklubs noch heute. Innerhalb eines Jahres sind deren Schulden von 480 auf 600 Millionen Euro gestiegen.

Unter diesen Umständen ist es gar keine gute Nachricht, dass der neue Inhaber der Fernsehrechte offenbar darüber nachdenkt, von seinem Vertrag zurückzutreten. Die Vereine und die DFL sollten sich also ernste Gedanken machen, wie es weitergeht. Was aber tut der Verband? Er beschwichtigt und verharmlost mal wieder. „Der Vertrag mit uns ist nicht kündbar“, sagt Tom Bender, der Sprecher der DFL. Vielleicht glaubt die DFL das wirklich. Vielleicht dient diese Aussage aber auch nur zur Beruhigung der Öffentlichkeit; vielleicht gibt es tatsächlich einen Plan B für den Ernstfall. Angesichts des bisherigen Krisenmanagements der DFL erscheint das jedoch eher fraglich.

Immerhin: Die Zahlungen – 580 Millionen Euro für zwei Jahre – sind diesmal durch eine Bürgschaft abgesichert. Das beschert den Vereinen eine gewisse Planungssicherheit. Aber was kommt danach? So wie es aussieht, ist das Produkt Fußball jahrelang überbewertet worden wie ein Aktienpapier am Neuen Markt. Sat 1, der Fußballsender, hat mit der Bundesliga bisher nichts als Verluste gemacht. Jetzt will er weniger zahlen. So sind die Gesetze des Marktes. Es ist übrigens derselbe Markt, mit dem viele Fußballprofis ihre wahnwitzigen Gehälter begründet haben. Sie sollten sich darauf einstellen, dass diese goldenen Zeiten endgültig vorbei sind.

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