Sport : Verkannter Infarkt wird Morin zum Verhängnis

CLAUS VETTER SVEN GOLDMANN

BERLIN .Am Tag danach bestimmte Ratlosigkeit das Bild.Stéphane Morin ist tot.Beim Auswärtsspiel in Oberhausen war der Stürmer der Berlin Capitals mit einem Herzstillstand zusammengebrochen.Reanimationsversuche halfen nicht, in der Nacht zu Mittwoch verstarb der 29jährige Kanadier in einem Oberhausener Krankenhaus.Ralph Fürther, Pressesprecher der Deutschen Eishockey-Liga (DEL), gab gestern den Obduktionsbericht bekannt.Danach soll Morin vor einigen Jahren einen schweren, allerdings nicht erkannten Herzinfarkt erlitten sowie eine chronische Bronchitis und ein übergroßes Sportlerherz gehabt haben.

Stéphane Morin war erst zu Beginn der Saison nach Berlin gekommen.Im Privatleben stets höflich und unaufdringlich, gehörte er auch auf dem Eis zu den eher unauffälligen Akteuren.Trotzdem war er bei den Capitals mit acht Scorerpunkten in den ersten sieben Spielen der effektivste Spieler.Auch in seinem letzten Spiel hatte Morin noch ein Tor erzielt.

"Vor dem Spiel war er noch gesund", sagte Mannschaftsarzt Thorsten Dolla, der Morin vor zwei Monaten dem zu Saisonbeginn üblichen Gesunheitscheck unterzogen hatte.Herz und Lunge seien in Ordnung gewesen.Morin hätte unter leichtem Asthma gelitten, dieses aber sei keineswegs problematisch gewesen.Und die Doping-Gerüchte, die schon am Mittwoch morgen von Marathon-Arzt Willi Heepe in den Raum gestellt wurden? "Im Leistungssport muß man sich immer der Frage des Dopings stellen", meinte Dolla."Aber ich habe im Eishockey noch nie Dopingtests erlebt.Da muß sich einfach etwas ändern, und wenn ich persönlich dafür kämpfen muß."

Platz für Spekulationen wird in den nächsten Wochen noch genug sein, dies deutete sich bereits gestern auf der hoffnungslos überlaufenen Pressekonferenz der Capitals an."Wir haben es, der hat schon mal einen Herzinfarkt gehabt", jubelte etwa eine Kollegin vom Fernsehen und legte beglückt ihr Handy zur Seite.Pech für sie, daß die Presseageturen eine halbe Stunde später mit ihren Meldungen die Exklusivität ihrer Nachricht ein wenig schmälerten.

Morins Teamkollegen saßen mit versteinerten Mienen daneben und hörten zu."Das war eine ganz lange Nacht für uns", sagte Stürmer Rob Cimetta, "doch wir müssen über dieses Problem hinwegkommen.Nur wenn wir weiterspielen, können wir das verarbeiten".Kapitän Paul Broten hat sich bereits mit seinem Kollegen von den Eisbären, Marc Fortier, darüber verständigt, daß das Lokalderby am Sonnabend in Hohenschönhausen auf jeden Fall stattfindet.

Fortier trifft der Tod seines Landsmannes härter als jeden Spieler der Capitals.Morin war sein bester Freund seit der gemeinsamen Jugend in Québec, wo sie in der NHL Fuß zu fassen versuchten.Stets verbrachten die beiden gemeinsam den Sommer, der zweijährige Fréderic Morin war der liebste Spielkamerad des kleinen Dylan Fortier.Die Nachricht vom Tod des Freundes erreichte Fortier noch in der Nacht zu Mittwoch.Das obligatorische Morgen-Training ließ er zugunsten eines Besuches bei Karen Morin ausfallen.

Die Capitals haben zugunsten der Familie Morin das Spendenkonto 11 30 49 79 01 bei der Berliner Bank eingerichtet.

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