Sport : Verkaufen, verkaufen!

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Richard Leipold über die

Perspektiven von Borussia Dortmund

Das Halbjahresergebnis des börsennotierten Fußball-Unternehmens Borussia Dortmund ist noch verheerender als angenommen. Rechnet man den Verlust hoch auf das gesamte Bilanzjahr, ist mit einem Defizit von fünfzig Millionen Euro oder mehr zu rechnen, wenn nicht noch außerordentliche Erträge erzielt werden. Das wäre der mit Abstand größte Fehlbetrag, den je ein deutscher Klub in einer Saison erwirtschaftet hat.

Die Dortmunder lassen sich nun vorhalten, dass sie in dieser Saison zu sehr an die Stärke ihrer überteuerten Mannschaft geglaubt und zu hohe Erlöse aus der Champions League einkalkuliert haben, für die sie sich gar nicht qualifiziert haben. Die Fehler aber reichen länger zurück, wie schon die als Erfolgsgeschichte verkaufte Bilanz des Vorjahres offenbart, die nur deshalb einen kleinen Gewinn auswies, weil der Klub seine Anteile am Westfalenstadion veräußert und einen Teilerlös aus dem Vertrag mit Nike vorab verbucht hatte.

Zudem rächt sich die expansive Ausgabenpolitik in jener Zeit, als Spieler auf dem Transfermarkt mit Fantasiesummen gehandelt wurden. Inzwischen lassen sich diese „immateriellen Vermögensgegenstände“ nur noch schwer zu Geld machen. Dennoch rühmt sich Präsident Niebaum, Tomas Rosicky nicht bis zum 31. Dezember verkauft zu haben, um dem Unternehmen einen Gestaltungsspielraum zu erhalten. Vor ein paar Wochen erst hatte er behauptet, für Rosicky liege gar kein Angebot vor. Dortmund kann nur hoffen, dass Angebote kommen – für Rosicky und für andere. Es gibt wohl nur noch eine Chance, das Schlimmste zu verhindern: verkaufen, verkaufen, verkaufen. Die Aktionäre dürften sich mit ähnlichen Gedanken tragen.

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