Sport : Verkauftes Eishockey

Fans protestieren gegen die Abschaffung des sportlichen Aufstiegs in die DEL

Claus Vetter

Berlin - Es rumorte zuletzt auf den Rängen der Eisstadien der zweiten Eishockey-Liga. In Dresden, Bietigheim und Freiburg hissten die Fans Banner, die den Chefs der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) nicht gefielen. Da wurde ein „Stadionverbot für Gernot Tripcke“, Geschäftsführer der DEL, gefordert. Auch Volkes Meinung zur vom Deutschen Eishockey-Bund (DEB) und DEL beschlossen Abschaffung des sportlichen Aufstiegs in die DEL war abzulesen: „Euer Kooperationsvertrag stinkt.“ Denn in Dresden und in Bietigheim ist nun klar, dass sportlicher Ehrgeiz nichts nützt: Die Klubs können nicht mehr aufsteigen, ihre alten Stadien erfüllen nicht den „Kapazitätsindex“, laut dem eine DEL-Arena über die Zahl an Zuschauerplätzen und Dingen wie einem Videowürfel bepunktet wird.

Das Fan-Aktionsbündnis „Pro Aufstieg“ illustriert auf seiner Internetseite den Missmut über die Entscheidung von DEL und DEB. Die DEL opfere „die sportliche Priorität zugunsten des wirtschaftlichen Diktats“. Initiator der Initiative ist Dirk Bersch. Seit einem halben Jahr hat der Freiburger Eishockeyfan Protestaktionen angeregt und versucht, mit der DEL und den Klubs in Kontakt zu treten. Die Reaktion der Liga war „eine einzige E-Mail“, erzählt Bersch. „Da hieß es, man habe kein Interesse, mit uns zu sprechen. Von den Vereinen wollte sich keiner offiziell äußern.“ Manche Klubs hätten auch „abgeblockt“, etwa die Eisbären. „Da hat die Klubführung das Thema eindeutig Richtung Fans proklamiert.“ In Berlin hatte sich Trainer Pierre Pagé für die Abschaffung des Abstiegs ausgesprochen. Die Berliner Fans blieben ruhig. Andernorts wurde dagegen protestiert, was wiederum von Klubverantwortlichen ignoriert wurde. Gerd Schröder, Gesellschafter der Frankfurt Lions, hat etwa „nichts von Protesten gehört“. Und Eisbären-Manager Peter John Lee sagt: „Als Henry Ford mit dem Auto ankam, haben die Menschen gesagt, wir haben doch schon Pferdekutschen. Und was fahren wir heute?“

Die DEL verdankt ihre steigende Popularität neuen Großarenen, das zeigten erst wieder am Mittwoch die Besucherzahlen: 18 000 Zuschauer waren in der Kölnarena und nur 2615 Fans in der alten Duisburger Halle. Die Haie spielten früher vor 7000 eingefleischten Fans im Stadion an der Lentstraße. Wenn sie nun in der Kölnarena spielen, ist der Anteil „des Eventpublikums größer als früher“, wie Klubsprecher Philipp Walter sagt. „Aber wir haben 5500 Dauerkarteninhaber und die sind ein prägendes Element.“ Nicht zuletzt daher glaubt Bersch, dass die DEL „die Bedürfnisse der falschen Leute erfüllt“. „Ich habe nichts gegen große Hallen. Aber man kann doch nicht das Wesen einer Sportart zugunsten eines Hallenbetreibers verkaufen.“ Die Mächtigen der DEL würden sich ihre Liga zurechtbasteln. DEL-Geschäftsführer Tripcke bestreitet das auch nicht. „Wir brauchen Planungssicherheit“, sagt er. „Sport vor vielen Zuschauern in einer modernen Arena ist nun mal ein besseres Produkt als Sport vor wenigen Menschen in einem alten Stadion.“

Bei Fans kleinerer Klubs stößt diese Aussage wohl nicht auf Gegenliebe. Dirk Bersch jedenfalls hat „keine Lust mehr auf Filz und Affentheater“. Bislang ist er zu fast jedem Auswärtsspiel der Wölfe Freiburg gereist. Nächste Saison werde er das eindämmen. Denn in die DEL aufsteigen kann sein Klub nicht mehr, die Freiburger Halle ist zu klein. „Ich habe das ausgerechnet“, sagt Bersch. „Uns fehlen im Kapazitätsindex ein paar hundert Punkte.“

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