Sport : Verklebte Weltmeisterschaft

Claus Vetter

Zu einer neuen Sportstätte gehört ein Sponsor. Im modernen Sportgeschäft werden die Namensrechte an den Meistbietenden verkauft. Zugegeben, „Signal-Iduna-Park“ hört sich nicht so schön an wie „Westfalenstadion“, doch die Versicherung bringt den Dortmundern eben Geld. Kein anderes Motiv hat die Fifa bei der Ausrichtung der WM in Deutschland. Der Fußball-Weltverband nimmt es bei der Sponsorenpflege allerdings zu genau. Verständlich ist, dass sämtliche Stadien bei der WM ihren üblichen Sponsornamen nicht tragen dürfen. Aber zweifelhaft wird es, wenn in den Arenen Türschlösser – so geschehen beim Confed-Cup – abgeklebt werden, damit auch ja nicht ein Türschlosshersteller in den Genuss kostenfreier Produktlancierung kommt. Und völlig unverständlich ist, was die Fifa außerhalb der Arenen veranstalten will: So soll die neue Stuttgarter Sporthalle während der WM nicht Porsche-Arena heißen dürfen – weil sie zu nah am Gottlieb-Daimler-Stadion liegt.

Im Kapitalismus wird geworben, um Geld zu verdienen. Letzteres will die Fifa bei der WM auch. Warum sollen andere Unternehmen während der WM außerhalb der Stadien kein Geld verdienen dürfen? In den Stadien darf die Fifa machen, was sie will, soll sie sich über jede verkaufte Bratwurst freuen. Fans, die sich auf dem Wege zum Stadion Bargeld aus dem Automaten holen möchten, könnten vor dem Erwerb der Stadionwurst allerdings auf Probleme stoßen: Den Geldautomaten seiner Bank wird der Kunde nicht identifizieren können. Die Namenszüge auf den Automaten innerhalb der Bannmeile sollen abgeklebt werden.

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