Sport : Verlängerung in aller Kürze

Die Eisbären gewinnen das erste Play-off-Halbfinalspiel gegen Hannover 4:3

Claus Vetter

Berlin - Steve Walker riss seine Arme in die Höhe. 5000 Zuschauer im Sportforum Hohenschönhausen jubelten. Der Mannschaftskapitän der Berliner Eisbären hatte gerade ein Tor erzielt, das ein spannendes Eishockey-Spiel beendete. Nach einer Verlängerung von nur 39 Sekunden konnten die Eisbären nämlich das erste Halbfinalspiel um die deutsche Meisterschaft 4:3 (1:2, 1:1, 1:0/1:0) gegen die Hannover Scorpions gewinnen. Der Deutsche Meister aus Berlin führt somit 1:0 in der nach dem Modus „Best of five“ ausgespielten Play-off-Serie.

Vor der Verlängerung hatten dramatische 60 Spielminuten gelegen, in der Tomas Pöpperle lange wie der Verlierer des Abends gewirkt hatte. Doch auf die Fans der Eisbären konnte sich der Torhüter verlassen. Sie hatten nicht übersehen, dass der Tscheche erhebliche Anlaufschwierigkeiten hatte. Trotzig feierten die Fans anfangs des zweiten Drittels ihren Torwart, der sich mit einem gewinkten Gruß bedankte. Die Anhänger wollten ihren Torwart selbstbewusster machen. Schon nach zehn Spielminuten nämlich lagen die Eisbären gegen Hannover 0:2 zurück. Zunächst hatte Pöpperle einen Distanzschuss von Marty Murray durch seine Schoner rutschen lassen, nur 27 Sekunden später ließ der Tscheche einen abgefälschten Schuss von Patrik Augusta ins Tor rutschen und der Eisbären-Ersatztorwart Youri Ziffzer musste sich warm machen.

Doch Ziffzer kam nicht, weil Pöpperle nun nicht mehr patzte. Das nützte den Berlinern aber lange wenig, denn sie hatten so ihre Probleme mit einem Gegner, der zu Unrecht in die Rolle des Außenseiters geredet worden ist: Die Hannoveraner haben eine sehr erfahrene Mannschaft. Zwölf Profis der Scorpions haben schon in der National Hockey-League (NHL) gespielt, bei den Eisbären durften nur acht Spieler Erfahrung in der nordamerikanischen Profiliga sammeln. Zudem sind auch die deutschen Spieler um Kapitän Sascha Goc nicht zu verachten. Einen technisch versierten deutschen Stürmer wie etwa Robert Hock haben die Eisbären nicht: In sehenswerter Manier umkurvte Hock gestern nach 29 Spielminuten das Berliner Tor und schoss einen herrlichen Treffer zum 3:1 für Hannover.

Mark Beaufait hatte kurz vor der ersten Pause das erste Berliner Tor erzielt und das sogar, als die Eisbären in Unterzahl waren. Selbstbewusster wirkten die Berliner nach ihrem Tor allerdings nicht. Besonders im Überzahlspiel – und da boten sich gestern angesichts mangelnder Hannoveraner Disziplin viele Chancen – wirkte das Berliner Spiel etwas hüftsteif.

Da aber Hannovers Torwart Trevor Kidd auch nicht besonders glücklich in seinen Aktionen wirkte, kamen die Eisbären im zweiten Drittel zum 2:3 durch Deron Quint. Im Schlussabschnitt bekamen die Scorpions dann physische Probleme. Schließlich absolvierten sie gestern schon ihr achtes Spiel binnen zwei Wochen, nachdem sie im Viertelfinale sieben Spiele gegen Ingolstadt bestreiten mussten. Die ausgeruhten Eisbären, die ihre Viertelfinalserie gegen Krefeld in fünf Spielen hinter sich gebracht hatten, waren am Ende die agilere Mannschaft. Berlins Verteidiger Frank Hördler gelang zehn Minuten vor Schluss der verdiente Ausgleich, der Puck huschte über die Fanghand von Kidd ins Tor.

3:3 stand es auch nach 60 Spielminuten. Nach der folgenden 15-minütigen Pause ging es dann aber ganz schnell. Nach einem Konter überwand Steve Walker Torwart Kidd, und die Berliner konnten einen wichtigen Sieg feiern, der sie nun mit der nötigen Ruhe zum Auswärtsspiel nach Hannover am Sonntag fahren lassen sollte.

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