Sport : Verlängerung in der Halbzeitpause Handball-Bundestrainer Brand bleibt bis 2008

Erik Eggers

Riesa. So etwas ist nicht sein Stil. Deshalb sei er, gestand Heiner Brand später, „ziemlich rot geworden“, als die frohe Botschaft verkündet wurde. „Der Bundestrainer hat seinen Vertrag bis 2008 verlängert“, sagte der Hallensprecher der SachsenArena in Riesa in der Halbzeit des Supercup-Halbfinals gegen Weltmeister Kroatien, und die Zuschauer jubelten wie nach dem anschließenden 30:28-Sieg der Deutschen. „Das in der Halbzeit zu melden“, erklärte Brand, sei ungeschickt gewesen. „Das lenkt von der Mannschaft und ihren Leistungen ab, das ist nicht mein Ding.“

Die Mannschaft hörte die Nachricht gerne. „Es war schon komisch, das so mitten im Spiel zu erfahren“, sagte Mark Dragunski. Aber alle Spieler, berichtete der Kreisläufer vom VfL Gummersbach, „sind froh darüber, er ist doch das beste, was uns passieren kann“. Für Kapitän Markus Baur ist die Weiterarbeit mit Brand die „einzig vernünftige Lösung, ich sehe sonst keinen“.

Die Spieler schätzen Brands fachliche und menschliche Souveränität und sein Vermögen, ein Team zu entwickeln. Brand, der die Mannschaft 1997 an einem sportlichen Nullpunkt übernommen hatte und seitdem kontinuierlich Erfolge feiert, wird nicht nur respektiert. In allen Aussagen der Akteure liegt immer auch ein Hauch Verehrung.

Brand hatte vor dem entscheidenden Gespräch mit Ulrich Strombach, dem Präsidenten des Deutschen Handball-Bundes, auch mit anderen Optionen wie dem Vereinshandball in Spanien oder Frankreich spekuliert. Geld spielte dabei seiner Aussage nach keine Rolle, ein Vertragspoker „ist meine Sache nicht, das habe ich schon 30 Jahre lang falsch gemacht“, wie Brand grinsend erklärte. Vielmehr erschien ihm das bisher vorgesehene Vertragsende nach 2005 nicht logisch. Er wollte „entweder einen Schnitt nach Athen 2004“ oder eben bis zu den nächsten Olympischen Spielen weiterarbeiten. Nun lockt zusätzlich noch eine Europameisterschaft in Deutschland – die EM-Turniere für 2006 und 2008 werden demnächst vergeben.

„Ob ich nach den Olympischen Spielen 2004 einen Totalumbruch durchführen werde, steht noch nicht fest“, sagte Brand. Das hänge von der Bereitschaft von Schlüsselspielern wie Christian Schwarzer und Stefan Kretzschmar ab, weiter für Deutschland zu spielen. Beide haben für 2004 ihren Rücktritt angekündigt. Über die Zeit nach 2008 wollte Brand noch nicht sprechen. „Ob ich dann noch an der Bank herumtanzen muss, weiß ich nicht“, sagte Brand. Andererseits: „Otto Rehhagel arbeitet ja auch noch.“

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