Sport : Verlassen Sie die Halle!

Alba besiegt Jena und erschreckt die Basketballfans

Helen Ruwald

Berlin – Nach Spielende wurde es gestern Abend in der Max-Schmeling-Halle dramatisch. Die rund 6000 Fans, die zuvor das Basketball-Bundesligaspiel von Alba Berlin gegen Science City Jena gesehen hatten, wurden an einer Notfall-Räumungsübung beteiligt. Über Lautsprecher wurden sie eindringlich immer wieder aufgefordert, auf den markierten Wegen die Halle zu verlassen, dem Personal Folge zu leisten und bedürftigen Personen zu helfen. Verschrecktes Kindergeheul war zu vernehmen, ansonsten verlief die Übung so geordnet wie Alba Berlins Spiel in der zweiten Halbzeit. Die Gastgeber besiegten den Tabellenletzten 80:64 (37:33).

Doch so einfach, wie das Spiel endete, hatte es nicht begonnen. Im ersten Viertel tat Alba sich schwer, kam mit dem langsamen Tempo des Gegners nicht zurecht und ließ Aggressivität vermissen. Bis zu fünf Punkte Vorsprung hatte Jena in dieser Phase und gewann nicht nur durch vier erfolgreiche Dreipunktewürfe das Viertel mit 22:19, sondern dominierte auch bei den Rebounds deutlich: Elf Rebounds des Aufsteigers, der vor einer Woche im achten Bundesligaspiel den ersten Sieg gefeiert hatte, standen nur fünf der Gastgeber gegenüber. Bis zur Pause konnte Alba dank 12 Punkten von Patrick Femerling und einer makellosen Freiwurfquote – alle 14 Bälle landeten im Korb – den Rückstand in eine Führung verwandeln. Wirklich zu seinem Spiel fand das Team von Trainer Luka Pavicevic aber erst nach der Pause.

„Der Trainer hat gesagt, wir müssen mit mehr Energie spielen. Wir haben das Tempo verschärft, dann lief es besser“, sagte Spielmacher Bobby Brown, der 16 Punkte machte. Bester Berliner Werfer war Dijon Thompson mit 18 Punkten, auch Patrick Femerling (14) und Julius Jenkins (12) punkteten zweistellig. Topscorer war allerdings ein Mann aus Jena: der ehemalige NBA-Profi Mark Davis mit 21 Zählern, von denen er 15 in der zweiten Halbzeit erzielte.

Seinem Team half das freilich nur, eine höhere Niederlage zu verhindern. Jenas Trainer Björn Harmsen glaubt, dass seine Mannschaft einen Denkfehler gemacht hat: „Ich war sehr zufrieden, wie wir angefangen haben. Dann dachten wir, dass wir weiter schönen Basketball spielen können. Aber als Aufsteiger hat man nur eine Chance, wenn man sich durchkämpft.“ Bis Jena das merkte, waren die Berliner vor allem durch die Punkte von Brown, Thompson und Jenkins davongezogen. Kurz vor Schluss durfte dann auch der erst zu Wochenbeginn von Dynamo Moskau ausgeliehene Aleksandar Rasic seine ersten Punkte für Alba machen. Der Spielmacher, der gestern knapp 13 Minuten auf dem Feld stand, verwandelte zwei Freiwürfe, war aus dem Feld aber nicht erfolgreich.

Luka Pavicevic meinte später, sein Team habe sich erst an das ungewohnte Tempo gewöhnen müssen, „es war ein Spiel, das Geduld erforderte“. Am Dienstag (19.30 Uhr) kommt ein weiterer Tabellenletzter in die Max-Schmeling- Halle: Guildford Heat, das noch erfolglose Schlusslicht in der Gruppe A des Uleb-Cups. „Sie werden hungrig sein und uns schlagen wollen“, sagt Dijon Thompson – so wie Jena. Gegen die Briten kann Alba nun beweisen, dass es sich von einem Außenseiter nicht noch einmal aus der Fassung bringen lässt.

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