Verletzungen bei den US Open : Mach doch mal ne Pause

Bei vielen Tennisprofis sah man bei den US Open getapete Knie und bandagierte Oberschenkel. Sie leiden gerade beim letzten Grand-Slam-Turnier des Jahres unter den folgen einer langen Saison.

Anke Myrrhe[New York]

Rafael Nadal ruft selten nach Hilfe auf dem Tennisplatz. Der Spanier zieht es vor, sich durchzukämpfen. Bei den US Open aber sah man ihn gleich mehrfach den Physiotherapeuten auf den Platz rufen. Gerade erst hat sich der 23-Jährige von einer langwierigen Knieverletzung erholt, doch die Knie sind es nicht, die Nadal in New York Sorgen bereiten. Es ist eine Bauchmuskelzerrung, die ihn vor allem beim Aufschlagen behindert. So sehr, dass der Mallorquiner am Freitag sogar seine Teilnahme am Davis-Cup-Halbfinale gegen Israel am kommenden Wochenende absagte. Nadal ist nicht der einzige, der sich in New York mit Verletzungen herumplagt. Gerade beim letzten Grand-Slam-Turnier des Jahres spüren viele der Tennisprofis die Folgen der langen Saison, die sie seit diesem Jahr noch stärker beansprucht.

Überall waren in den zwei Wochen der US Open getapte Knie oder Schultern und dick bandagierte Oberschenkel zu sehen. Viele der Spieler ließen sich auf dem Platz massieren oder sonst irgendwie reparieren. Robin Söderling profitierte gleich zwei Mal davon, dass sein Gegenüber das Spiel aufgeben musste. Dass sich diese Bilder gegen Ende der Saison häufen, liegt nach Meinung vieler Profis am zu anspruchsvollen Turnierplan der ATP. „Ist doch klar, wenn wir am ersten Januar beginnen und Mitte Dezember aufhören“, sagte Rafael Nadal zu Beginn der US Open.

Viele Turniere sind inzwischen verpflichtend für die Topspieler

Die Saison war beim Tennis schon immer länger als bei den meisten anderen Sportarten. Seit Beginn des Jahres allerdings lässt ein neuer Turnierplan den Profis noch weniger Freiheiten für individuelle Pausen. Zwölf der 18 Turniere, die in ihre Weltranglistenwertung einfließen, sind festgelegt mit den vier Grand-Slam-Turnieren und acht obligatorischen Masters-Turnieren über das Jahr verteilt. Treten sie bei einem der Saisonhöhepunkte nicht an, dann gehen null Punkte in die Wertung ein, die nicht mehr durch andere Turniere ausgeglichen werden können.

„Wir wollen, dass die Topspieler bei den Topevents antreten, um diese attraktiver für die Zuschauer zu machen“, sagt Adam Helfant, der seit Beginn des Jahres Präsident der ATP ist. Dieses Konzept funktioniert. Beim Masters-Turnier in Montréal erreichten alle acht Topspieler das Viertelfinale, in Cincinnati bildeten die Top vier das Halbfinale. „Wir sollten dieses Thema nicht überbewerten“, sagt Helfant. „Im Vergleich zu den Verletzungen in anderen Sportarten stehen wir ziemlich gut da.“

Viele der Spieler sind allerdings am Ende des Jahres auch körperlich am Ende. „Ich sehe viele Spieler mit bandagierten Knien“, wendet Rafael Nadal ein.“ „Da sollte vielleicht mal jemand drüber nachdenken.“ Der Russe Michael Youzny, der bereits seine gesamte Karriere über mit Verletzungen kämpft, sagte einmal, sein Körper sei einfach nicht gemacht für diese ständige Belastung. „Ich würde mir wirklich wünschen, dass es weniger verpflichtende Turniere gibt“, sagte er, nachdem er in der zweiten Runde der US Open ausgeschieden war. „Damit man sich über das Jahr verteilt mehr Pausen gönnen kann.“

Adam Helfant ist sich dieser Probleme offensichtlich bewusst. „Wir sind im ständigen Austausch mit den Spielern“, sagt der Brite, der bei den Profis wesentlich beliebter ist als sein Vorgänger Etienne de Villiers. „Und wir werden sehen, wie wir den Plan immer weiter verbessern können.“

Die ATP versucht die Reisen zu verringern und Freilose zu vergeben

Zumindest wird versucht, das hohe Reiseaufkommen der Spieler so gering wie möglich zu halten. Das ATP World Tour Finale der besten acht Spieler der Welt (früher Masters Cup und ATP-WM) findet ab diesem Jahr in London statt, so dass die Spieler nach dem letzten Turnier in Paris nicht noch einmal mach Schanghai reisen müssen. Dafür wurden die Turniere nach den US Open in Asien komprimiert. „Außerdem versuchen wir, den Topspielern in den ersten Runden der großen Turniere Freilose zu geben, damit sie mehr Pausen haben“, sagt Helfant.

Über eine längere Saisonpause am Ende des Jahres werde allerdings zurzeit nicht verhandelt. Für Spieler wie Rafael Nadal, die unter normalen Umständen sowohl beim Tour Finale als auch beim Davis-Cup-Finale Anfang Dezember involviert sind, heißt das eine Pause von nur drei Wochen, bevor die nächste lange Saison beginnt. Im vergangenen Jahr musste Nadal wegen der Knieprobleme die letzten Saisonstationen absagen. Und auch in diesem Jahr sieht es dafür nicht besonders gut aus.

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