Verletzungspech : Leverkusen hat die Seuche

Die einzige Konstante bei der mit großen Zielen in die Saison gestarteten Bayer-Mannschaft ist das Verletzungspech. Nach Rolfes, Ballack, Renato Augusto, Kießling und Helmes fehlt Leverkusen gegen Frankfurt nun auch Castro.

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Willkommen im Club. Patrick Helmes ist einer von Leverkusens Verletzten.
Willkommen im Club. Patrick Helmes ist einer von Leverkusens Verletzten.Foto: dapd

Rudi Völler war am Dienstag mal wieder in Eile. Im Auto raste Leverkusens Sportchef durch die Gegend, verstand am Telefon sein eigenes Wort kaum und entschuldigte seine Unruhe: „Ich bin ein bisschen unter Druck.“ Ein Zustand, mit dem der frühere Nationalcoach gerade besonders gut zum Werksklub passt: In den ersten vier Spielen der Fußball-Bundesliga sammelte Bayer mühevoll fünf Punkte. Der einzige ansehnlich Auftritt, in Dortmund (2:0), liegt exakt einen Monat zurück. Konstant ist bei den Rheinländern momentan nur das Verletzungspech.

Am Sonntag, beim 0:0 gegen Nürnberg, musste Nationalstürmer Stefan Kießling nach einem Foul nach zehn Minuten vom Feld getragen werden. Das sah nicht nur schlimm aus, es war auch schlimm. Einen Riss des Syndesmosebandes am linken Unterschenkel diagnostizierten die Ärzte, acht Wochen muss Kießling nun pausieren. Für den 26 Jahre alten Angreifer ist es die erste schwere Verletzung in seiner Karriere. Aber er sagte bereits: „Ich komme bald wieder zurück.“

Vom Kollegen Michael Ballack, der sich am 11. September beim Spiel in Hannover eine Fraktur im Schienbeinkopf und somit sechs Wochen Trainingspause eingehandelt hatte, waren solch optimistischen Äußerungen noch nicht zu hören. Der 33-Jährige wird schließlich langsam ein trauriger Experte für böse Blessuren. Wegen einer Verletzung, wie sie Kießling gerade erlitten hat, musste er im Sommer seine WM-Teilnahme streichen. Bittere Pointe: Weil der 98-malige Nationalspieler sich mit gerissenen Syndesmosebändern gut auskennt, konnte Kießling sich „mit Michael darüber schon in der Kabine unterhalten“.

Jupp Heynckes hilft das allerdings keinen Schritt weiter. Bayers Cheftrainer musste sich vor der heutigen Partie gegen Frankfurt völlig neu orientieren: Neben Kießling fehlt ihm mit Patrick Helmes (Adduktorenverletzung) ein weiterer Stürmer. Für den Angriff bleiben nur Eren Derdiyok (22) und Neuzugang Nicolai Jörgensen (19). Zudem fällt auch noch kurzfristig Gonzalo Castro wegen eines Muskelfaserrisses aus, und Mittelfeldkraft Renato Augusto hat Probleme mit der Patellasehne. Sportchef Völler stöhnte: „Die Verletzungen von Ballack und Kießling sind sehr bitter. Denn beide fallen langfristig aus.“

Man werde, sagte Trainer Heynckes vage, „irgendwie Mittel und Wege finden, damit umzugehen“. Dabei sind die vielen Versehrten ein Problem, Bayers schleppender Saisonstart ein anderes. „Unsere Leistungen schwanken noch ein bisschen“, sagte Völler angesichts von exakt zwei Torchancen gegen Nürnberg. Ansonsten gibt er sich locker: „Wir suchen noch nach unserer Konstanz. Das ist eine Herausforderung, keine Frage. Aber wir werden sie bewältigen, davon bin ich überzeugt.“

Die bisherigen Hinterbänkler, so seine Hoffnung, werden nun ihre Chance nutzen. Gelegenheit dazu gibt es jedenfalls reichlich: Heute gegen Frankfurt, am Samstag in Stuttgart, eine Woche später gegen Bremen und dazwischen in der Europa League bei Cup-Verteidiger Atlético Madrid. „Durch den Europapokal sind das natürlich relativ viele Spiele, aber das wollten wir ja so haben“, sagte Völler. Da spricht der Pragmatiker, der Dinge, die er nicht ändern kann, einfach hinnimmt. „Die Verletzungen ereilen uns zwar gerade in großer Fülle, aber sie gehören zum Fußball dazu“, sagte er auch. „Außerdem haben wir unseren Kader bewusst auf die internationalen Auftritte hin ausgerichtet.“

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