Sport : Verletzungspech: Malheur beim Sprint

Klaus Rocca

"Wird er je ein Großer?", fragte kürzlich ein Fußball-Fachblatt. Die Rede war von Sebastian Deisler, die Antwort blieb offen. Auch dessen Trainer Jürgen Röber wollte sich nicht festlegen. Deisler könne "in den größten Vereinen der Welt spielen", aber nur, wenn er seine Fähigkeiten nutze. Derzeit kann er sie nicht nutzen. Deisler hat sich gestern beim Training einen Muskelfaserriss zugezogen und fällt mindestens drei Wochen aus. Nicht nur für Hertha BSC, auch für das Länderspiel am 27. Februar in Paris gegen Frankreich.

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Deisler, um den es dieser Tage immer wieder Diskussionen über einen möglichen vorzeitigen Ausstieg aus seinem Vertrag gab, stand seinem Arbeitgeber in dieser Saison wiederholt nicht zur Verfügung. Nach den Spielen gegen Rostock und Kaiserslautern war er wegen Gelb-Roter Karten gesperrt, immer wieder - auch im Trainingslager in Andalusien - war er verletzt. So musste der 21-Jährige zuletzt in Bochum wegen einer leichten Zerrung vorzeitig das Spielfeld verlassen. "Wir haben ihn vorsichtshalber vom Platz geholt, um das Risiko so gering wie möglich zu halten", sagt Herthas Mannschaftsarzt Ulrich Schleicher.

Der war gestern sichtlich mitgenommen, als er die Sache mit dem Muskelfaserriss vernahm. Mit Jörg Drill machte Herthas großes Talent auf dem Hanns-Braun-Sportplatz leichte Sprintübungen, bevor er sich zum Balltraining den Mannschaftskameraden anschließen wollte. Das Malheur geschah, ohne dass Deisler den betroffenen Muskel sonderlich stark beanspruchte. Für Mannschaftsarzt und Physiotherapeut offenbar völlig überraschend, "denn die leichte Zerrung war längst abgeklungen" (Schleicher). Am Wochenende hatte Deisler bereits auf dem Laufband trainiert, war schmerzfrei.

Vorwürfe macht sich die medizinische Abteilung des Bundesligisten keine, aber Fragen stellt sie sich schon. Zumal bei der Dauer-Verletzungsmisere Diskussionen aufkommen. Schleicher: "Natürlich machen wir uns Gedanken, ob wir Fehler gemacht haben." Vermutungen, Deisler habe mit aller Macht für das Spiel am Sonntag in Stuttgart fit gemacht werden sollen, weist er zurück. Für Schleicher ist die jetzige Verletzung "höchst ungewöhnlich". Er hat Deisler empfohlen, nach Donaustauf zu fahren, um sich dort für zwei Wochen vom langjährigen Physiotherapeuten der Nationalmannschaft, Klaus Eder, behandeln zu lassen.

Enttäuscht ist natürlich auch Jürgen Röber: "Deislers körperliche Verfassung hatte sich wieder stabilisiert. Umso ärgerlicher dieser Rückfall." Er weiß, dass er nun auch in Stuttgart improvisieren muss, da neben Deisler weiterhin Alex Alves und Stefan Beinlich ausfallen. "Das ist so, als ob beim FC Bayern Effenberg, Elber und Scholl ausfallen." Vorwürfe in Richtung medizinische Abteilung wollte der Hertha-Trainer nicht erheben. Die würde, so Röber, "sich große Mühe geben". Bei anderen Vereinen gäbe es schließlich auch viele Verletzte.

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