Verletzungspech : WM-Aus für Deisler

Nach einer Knorpelverletzung am rechten Knie muss Nationalspieler Sebastian Deisler auf die WM verzichten. Der Münchner muss operiert werden und fällt für mindestens sechs Monate aus.

München - Sebastian Deislers Fußball-WM-Traum ist auf dramatische Weise geplatzt. Eine Knorpelverletzung am rechten Knie setzt die Leidensgeschichte des Nationalspielers vom FC Bayern München fort. Er muss operiert werden und fällt sechs Monate aus. Während Deislers Teamkollegen sich beim Abschlusstraining auf das Bundesliga-Spitzenspiel an diesem Sonntag gegen den FC Schalke 04 vorbereiteten, machte die Hiobsbotschaft die Runde. «Das ist ein Riesenschock für uns alle, für den FC Bayern sowie die Nationalmannschaft ein Riesenverlust», sagte Bayern-Manager Uli Hoeneß.

Auch Bundestrainer Jürgen Klinsmann, sein Assistent Joachim Löw und Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff äußerten sich bestürzt: «Deisler spielte eine wichtige Rolle in meinen Planungen für die WM», sagte Klinsmann. Löw betonte die gute Leistung, die Deisler beim Confederations Cup im vergangenen Sommer gezeigt hatte. «Wir sind schon ein bisschen schockiert. Das ist tragisch für ihn», sagte Löw. «Für uns ist das ein schwerer Schlag», betonte Bierhoff.

Die Verantwortlichen des DFB-Teams mussten zudem die Absage des Bremers Torsten Frings für den WM-Test gegen die USA am Mittwoch hinnehmen. Der Mittelfeldmann kam im Spiel gegen den 1. FC Nürnberg mit einer Wadenbeinprellung aber vergleichsweise glimpflich davon und soll kommendes Wochenende wieder einsatzbereit sein. Fraglich ist der Einsatz des Wolfsburger Mike Hanke wegen einer Beckenprellung.

Deisler hatte sich in Vail im US-Bundesstaat Colorado von US- Kniespezialist Richard Steadman untersuchen lassen und musste nun die niederschmetternde Diagnose hinnehmen, die ihn im schlechtesten Fall auch um die Fortsetzung der Karriere zittern lässt. Die Trainingsverletzung hatte sich der Mittelfeldmann Anfang dieser Woche zugezogen, ausgerechnet an dem Knie, das schon mehrfach operiert worden war. Die nächste Operation folgt Anfang der kommenden Woche. Wenige Tage später wird Deisler, dessen Vater in der bitteren Stunde bei ihm ist, nach Deutschland zurückkehren.

«Ich habe kurz mit ihm gesprochen und gesagt: Kopf hoch. Aber er ist natürlich sehr geknickt und muss die Nachricht erst einmal verarbeiten», erklärte Bayern-Trainer Felix Magath auf der Internetseite «fcb.de». «Es ist fürchterlich, dass er jetzt für die Weltmeisterschaft ausfällt.»

Für den 26 Jahre alten Deisler, der Ende vergangenen Jahres seinen Vertrag bis zum 30. Juni 2009 verlängert hatte, platzte zum zweiten Mal der Traum von der Teilnahme an einer Weltmeisterschaft. Der Verletzungs-Pechvogel hatte schon die WM vor vier Jahren in Japan und Südkorea verpasst, nachdem er sich beim 6:2-Sieg gegen Österreich im letzten Testspiel der Nationalmannschaft vor der Abreise nach Asien schwer am rechten Knie verletzt hatte.

Der US-Kniespezialist Steadman hatte Deisler damals an dem Gelenk operiert und maßgeblich dazu beigetragen, dass dieser überhaupt wieder Fußball spielen konnte. Nun geht der Kampf um das Comeback für Deisler zum wiederholten Mal los.

Die Leidensgeschichte des Mittelfeldspielers ist nahezu unglaublich. Neben den Knieoperationen und jeder Menge Muskelverletzungen wurde der Fußball-Profi auch wegen Depressionen behandelt. Im Dezember 2003 war er zur Behandlung im Max-Planck- Institut in München, im Oktober 2004 reiste er vor dem Champions- League-Spiel aus Turin vorzeitig ab. (tso/dpa)

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