Sport : Verlieren lohnt sich

Nach dem Zuschlag für die Leichtathletik-WM will sich Berlin nun um Olympia 2016 bewerben – selbst wenn es keine Chance hätte

Friedhard Teuffel

Berlin - Die Weltmeisterschaft hat Berlin gerade gewonnen, jetzt fehlt noch der Olympiasieg. Der Zuschlag für die Leichtathletik-WM 2009 am Samstag hat die Berliner noch einmal ermuntert, die Olympischen Spiele in ihren sportlichen Karriereplan einzubeziehen. 2006 findet das zweitgrößte Sportereignis der Welt auch in Berlin statt, die Fußball-WM, drei Jahre später dann das drittgrößte, die WM der Leichtathleten. Da wäre das größte Sportereignis die einzige Steigerungsmöglichkeit. „Berlin ist ein geborener Kandidat“, sagte der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit gestern. Das hatte Wowereit auch schon im Sommer gesagt. Bemerkenswert war jedoch vor allem seine Überlegung, sich schon um die Olympischen Spiele 2016 zu bemühen.

Olympia 2016 wird schließlich mit hoher Wahrscheinlichkeit außerhalb Europas stattfinden, weil vier der fünf Kandidaten für die Spiele 2012 aus Europa kommen, Paris, London, Madrid und Moskau. New York gilt bislang nur als Außenseiter. Wenn das Internationale Olympische Komitee im nächsten Jahr in Singapur dem Favoriten Paris den Zuschlag erteilen sollte, wäre eine europäische Bewerbung vier Jahre später so gut wie aussichtslos.

Doch das ist nicht das einzige Kriterium für einen Anlauf der Berliner. Der Gewinn der Leichtathletik-WM hat den Berlinern gezeigt: Verlieren lohnt sich. Um diese Weltmeisterschaft hatte sich die Stadt schon zweimal vergeblich bemüht, die WM 1991 ging nach Tokio, im 2005 Jahr findet sie in Helsinki statt. Der nächste olympische Versuch von Deutschland käme ebenfalls nach zwei Niederlagen. 1993 war Berlin mit seiner Kandidatur für die Spiele 2000 gescheitert, und in diesem Jahr erreichte Leipzig nicht einmal die Endausscheidung um die Olympischen Spiele 2012. Deshalb sagte Wowereit: „Es kann Sinn machen, dass man vorher schon mal ein paar Runden dreht.“ Allein schon, um Erfahrungen zu sammeln. „Ohne Risiko kein Gewinn. Das ist einer der Punkte, der in Deutschland gelernt werden muss“, sagte Wowereit.

Der Regierende Bürgermeister erwartet vom Nationalen Olympischen Komitee (NOK) jedoch ein ähnliches Verfahren, wie es jetzt der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) gewählt hatte. Der DLV hatte die Veranstaltung nicht ausgeschrieben, sondern entschieden, mit Berlin ins Rennen zu gehen. Den deutschen Vertreter bei der Bewerbung um die Olympischen Spiele 2012 hatten dagegen fünf Städte untereinander ausgemacht, Berlin hatte verzichtet. „Es kann nur klappen, wenn sich nicht vorher alle in einem finanziellen Kraftakt zerfleischen“, sagte Klaus Wowereit.

Diese Voraussetzung ist immerhin erfüllt. Das NOK will künftig einen Bewerber bestimmen. Nur hat Berlin einen harten Konkurrenten: Hamburg. Und schon vor einigen Monaten hat der Erste Bürgermeister Ole von Beust das Interesse seiner Stadt an einer neuen Bewerbung kundgetan.

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