Sport : Verlieren mit Konzept

Stefan Hermanns

Borussia Mönchengladbach ist auf dem besten Wege, das Saisonziel zu erreichen, das der Verein gar nicht erst auszusprechen gewagt hat. Die Gladbacher haben gute Chancen auf den Einzug in den Uefa-Cup – über die Fairplay- Wertung. Mit gerade 13 Gelben Karten in neun Spielen sind sie hinter den Bayern der fairste Klub der Bundesliga, am Samstag, beim 0:2 gegen Leverkusen, haben sie es wieder einmal geschafft, 90 Minuten ohne Verwarnung zu überstehen. Vorbildlich ist das, doch Borussias Spieler macht so etwas in hohem Maße verdächtig.

Verdächtig mangelnder Einsatzbereitschaft und verdächtig, nicht genügend zu kämpfen für das schöne Geld, das sie verdienen. Das ist sowieso der beliebteste Vorwurf, den man einem Fußballer in Deutschland machen kann. Dabei mangelt es den Spielern von Borussia Mönchengladbach nicht an der nötigen Einstellung; es mangelt der Mannschaft ganz einfach an spielerischer Qualität.

Eine Nachricht ist das längst nicht mehr. Ansehnlich Fußball haben die Gladbacher zuletzt unter Hans Meyer gespielt, das war direkt nach dem Aufstieg 2001. Meyer hatte eine Idee vom Fußball, klar und attraktiv kam Borussias Spiel daher, viel übrig geblieben ist davon seit Meyers halb freiwilligem Abgang im Frühjahr 2003 nicht. Es sei denn, man hielte es für eine Idee, möglichst viele möglichst alte und möglichst verletzungsanfällige Spieler auf einmal zu engagieren.

In Mönchengladbach wirkt es fast wie ein Kulturschock, dass die Borussia nun – zum ersten Mal seit Meyer – wieder einen Trainer mit Konzept beschäftigt. Mit einem Konzept wie gemalt für den Verein. Jupp Heynckes will junge Spieler fördern, er will genau den schnellen und ansehnlichen Fußball sehen, mit dem es die Gladbacher sogar in den latent fußballfeindlichen Siebzigern zu Helden des Feuilletons gebracht haben. In einer Woche aber, in der die Mannschaft dreimal verliert, rücken solch feine Details schnell in den Hintergrund.

Die Boulevardmedien streuen bereits erste Zweifel an Heynckes. Doch was ist ihm vorzuwerfen? Dass das Konzept, das von vorneherein auf mehrere Jahre angelegt war, nach vier Monaten noch nicht seine volle Wirkung entfaltet? Wer ein Konzept haben will, sollte eben wissen, dass er keinen Neururer bekommt.

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