Sport : Verloren im Tiefschnee Biathletin Kati Wilhelm sucht bei den

Weltmeisterschaften ihre Form im Stehendschießen

Helen Ruwald[Hochfilzen]

Kati Wilhelm dachte eigentlich, die monatelange, zermürbende Sucherei sei zu Ende. Doch die deutsche Biathletin hat sich geirrt. Im Tiefschnee von Tirol ging alles von vorne los, und das ausgerechnet bei den Weltmeisterschaften. Nur suchte sie, die als Weltcup-Führende nach Hochfilzen gereist war, nicht wie im gesamten vergangenen Jahr nicht ihre Form beim Laufen, sondern beim Stehendschießen. Aus 50 Metern Entfernung die Scheiben mit einem Durchmesser von 11,5 Zentimeter zu treffen, bereitete ihr zu WM-Beginn große Probleme. Der Saisonhöhepunkt droht zum Saisontiefpunkt für Kati Wilhelm zu werden. Auf Platz 28 beendete sie das Sprintrennen, es war das schlechteste Ergebnis in diesem Winter. Im Verfolgungsrennen lief sie auf Platz13, im Einzelwettkampf über 15 Kilometer auf Platz 27. Zwei Medaillen wollte sie bei der WM gewinnen, eine in einem Einzelrennen, eine mit der Staffel. Doch Weltmeister wurde nicht sie, sondern Uschi Disl und völlig überraschend die Ersatzläuferin Andrea Henkel.

Kati Wilhelm war nicht darauf gefasst, dass sie derartige Probleme bekommen würde. „Letzte Woche hat es noch super geklappt.“ Dann ging gar nichts mehr, beim Sprintwettkampf traf sie stehend nur zwei von fünf Scheiben. Die Auflage, auf der die Biathleten in Hochfilzen beim Schießen stehen, werde durch den ständigen Neuschnee immer höher, erzählte Wilhelm. Die Scheiben bleiben zwar unverändert, wirken aus Sicht der Schützin aber tiefer. „Ich suche einen anderen Stand, stehe nicht mehr so stabil und habe mehr Bewegung an der Waffe als sonst.“ Über 15 Kilometer lief es stehend mit zwei Fehlern bei zehn Versuchen schon etwas besser – dafür schoss sie liegend dreimal daneben.

„Läuferisch reicht es, um mit einer besseren Schießleistung aufs Podest zu kommen“, hat festgestellt. Was gar nicht so selbstverständlich ist, schließlich hatte Kati Wilhelm in der Loipe bis vor kurzem Probleme gehabt. Dabei ist das Laufen eigentlich die Stärke der 28-Jährigen. 1998 startete sie bei den Olympischen Spielen von Nagano noch im Langlauf. Ein Jahr später wechselte Kati Wilhelm zum Biathlon und lernte das Schießen. Prompt wurde sie im Jahr 2001 Sprint-Weltmeisterin und ein Jahr später in Salt Lake City Olympiasiegerin.

Doch in den beiden folgenden Jahren waren die besten Ergebnisse bei WM-Einzelrennen die Plätze 22 und 10. Wilhelm hatte ihren Laufstil optimieren wollen – und wurde schlechter. Dadurch wuchs der Druck am Schießstand, die Fehler nahmen zu. Durch den Umzug von Oberhof nach Ruhpolding im Sommer kam die Motivation zurück, beim Videostudium in der Weihnachtszeit fand Kati Wilhelm die Fehler, die sich beim Laufen eingeschlichen hatten. Es folgten die glanzvollsten Weltcup-Wochen ihrer Karriere. In zwölf Rennen war die Deutsche stark in der Loipe und sicher am Schießstand.

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