Verloren und doch oben : Eisbären unterliegen Ingolstadt

Die Eisbären Berlin haben im Spitzenspiel der Deutschen Eishockey-Liga den Platz an der Tabellenspitze gegen den Tabellenzweiten aus Ingolstadt trotz einer Niederlage erfolgreich verteidigt.

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Einziger Berliner Torschütze. Julian Talbot.
Einziger Berliner Torschütze. Julian Talbot.Foto: Kitty Kleist-Heinrich

So schön kann Eishockey sein. Derek Hahn bekam den Puck, umkurvte seine staunenden Gegenspieler und hämmerte die Scheibe hoch oben ins Tor der Eisbären. Ein fantastischer Treffer als finaler Höhepunkt eines selten schönen, aber sehr intensiven Spieles zwischen den Berlinern und dem ERC Ingolstadt. Da es die Eisbären erst nach Verlängerung 1:2 (0:0, 1:1, 0:0/0:1) verloren hatten, konnten sie ihre Tabellenführung vor 14 200 Zuschauern in der ausverkauften Arena am Ostbahnhof verteidigen. Der Tabellenzweite Ingolstadt ist durch die gewonnenen zwei Punkte nun punktgleich mit den Berlinern. Die Eisbären haben allerdings noch sieben Spiele bis zu den Play-offs, Ingolstadt dagegen nur sechs.

So blöd kann Eishockey sein, fand Don Jackson. Vor dem Tor von Hahn hatte der Trainer ein Foul an Florian Busch gesehen. „Busch wurde ein Bein gestellt“, schimpfte Jackson. „Daher bin ich sauer, aber so ist das Leben.“ So ungerecht war das Leben aber zu den Eisbären am Sonntag nicht, denn Ingolstadt war ein bisschen besser als die Gastgeber. „Die haben verdient gewonnen“, sagte Eisbären-Stürmer André Rankel. „Wir kamen oft einen Schritt zu spät.“

Es waren zwei starke Mannschaften auf dem Eis, von denen Ingolstadt oft mehr Intelligenz ins Spiel brachte. Die Bayern ließen die Berliner nur selten das machen, was die Eisbären gut können. In der neutralen Zone schaffte es das Team von Trainer Rich Chernomaz eindrucksvoll, das Aufbauspiel des Gegners zu stören. Und wenn die Ingolstädter in Puckbesitz gekommen waren, ging es schnell in Richtung Tor von Rob Zepp. Insbesondere die erste Sturmreihe um Thomas Greilinger verursachte im Berliner Drittel Ärger.

Die Eisbären hatten Glück und einen glücklichen Zepp im Tor: So prallte ein Schuss von Greilinger nur an den Pfosten. Dass es lange Zeit torlos blieb, lag aber auch daran, dass die Eisbären im ersten Abschnitt ihre guten Chancen nicht hatten nutzen können. Busch und Barry Tallackson vergaben in aussichtsreicher Position, und Sven Felski jubelte sogar schon – zu früh, sein Schuss ging am Tor vorbei.

31 Spielminuten dauerte es bis zum ersten Treffer: Julian Talbot erzielte ihn für die Eisbären. Erst im zweiten Nachschuss war Ian Gordon im Ingolstädter Tor geschlagen. Die Freude über den Treffer war aber schnell verflogen, nach einem Fehler von Laurin Braun traf Jared Ross zum 1:1. Im Schlussabschnitt gab es ein nicht geahndetes Foul von Greilinger am Berliner Verteidiger Jim Sharrow, der den Schläger ins Gesicht bekam. Bei den Eisbären hatte Barry Tallackson zuvor Glück gehabt, dass sein Check gegen den Kopf von Jeff Likens nicht bestraft wurde. Viel Härte, wenig Tore – nach 60 Minuten ging es in die Verlängerung. Dort sicherte Derek Hahn mit seinem fantastischen Tor in der 64. Spielminute den Ingolstädter Sieg, über den Trainer Chernomaz sehr glücklich war.

Denn in den drei Spielen zuvor hatten die Eisbären gegen die Bayern gewonnen. „Hoffentlich sehen wir uns in den Play-offs wieder“, sagte Chernomaz. Das klang am Sonntag wie eine Drohung an die Berliner, die eher hoffen, Ingolstadt in der Form vom Sonntag in der Endrunde so lange wie möglich aus dem Wege gehen zu können.

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