Sport : Verlorene Jahre

Christian Hönicke

über die letzte Chance des Rubens Barrichello Manchmal dauert es ein wenig, bis sich ein Missverständnis aufklärt. Im Falle Rubens Barrichellos hat es noch ein wenig länger gedauert. Sechs Jahre lang hat der Formel-1-Pilot seinen Dienst bei Ferrari in der sicheren Annahme ausgeübt, er solle den WM-Titel für den Rennstall gewinnen. Jedes Jahr kündigte er daher seinen Angriff auf die WM-Krone an – und jedes Jahr wurde er aufs Neue enttäuscht.

Rubens Barrichello sollte nie Weltmeister für Ferrari werden. Der Brasilianer war auserwählt worden, seinen Teamkollegen bei genau dieser Aufgabe zu unterstützen. Und wenn er Michael Schumacher doch einmal abhängte, bremste ihn ein Funkspruch aus der Ferrari-Box. Wie in Österreich 2002, als er Schumacher auf der Ziellinie passieren lassen musste.

Rubens Barrichello war sechs Jahre lang die klassische Nummer zwei, ohne es wahrhaben zu wollen. Er wäre es vermutlich noch ein paar Jahre geblieben, wenn Ferrari nicht sparen müsste. Deswegen verpflichtete der Rennstall für die kommende Saison Barrichellos günstigeren Landsmann Felipe Massa als Erfüllungsgehilfen für den siebenmaligen Weltmeister. Barrichello unterschrieb dagegen gestern einen Vertrag bei BAR-Honda.

Nach einem halben Jahrzehnt in Schumachers Windschatten darf sich Barrichello nun erstmals ernsthafte Chancen darauf ausrechnen, den WM-Titel gewinnen zu können. Viel Zeit dafür bleibt ihm allerdings nicht mehr: Rubens Barrichello ist inzwischen 33 Jahre alt. Ein weiteres Missverständnis kann er sich nicht leisten.Seite 19

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