Sport : Verlorene Zeit

Manfred Amerell

Volkswagen-Arena in Wolfsburg, der VfL liegt 0:1 gegen den Hamburger SV zurück und versucht in den Schlussminuten noch den Ausgleich zu erzielen. Schiedsrichter Felix Brych pfeift nach zwei Nachspielminuten ab. Wolfsburgs Trainer Klaus Augenthaler beschwert sich anschließend darüber, dass viel länger hätte nachgespielt werden müssen. Nach welchen Kriterien legt der Schiedsrichter die Nachspielzeit fest, Herr Amerell?

Ein Spiel dauert grundsätzlich 90 Minuten. Alles, was darüber hinausgeht, ist eine Tatsachenentscheidung des Schiedsrichters. Es gibt die irrige Meinung, dass der vierte Mann an der Seite die Nachspielzeit bestimmt. Er zeigt aber mit der Tafel nur an, was der Schiedsrichter ihm zuvor mit Zeichensprache oder verbal signalisiert hat.

In Regel 7 wird die Dauer des Spiels festgelegt, sie ist weltweit gültig. Dort steht, durch welche Vorkommnisse der Schiedsrichter länger spielen lassen kann: Auswechslungen, verletzte Spieler, der Transport verletzter Spieler vom Spielfeld oder das Zeitschinden. Dazu kommen äußere Einflüsse wie beispielsweise das Wetter oder etwa ein Flitzer. Es gibt aber für die einzelnen Ereignisse keine Faustregeln. Die Meinung, dass der Schiedsrichter pro Tor eine Minute länger spielen lassen sollte, ist falsch. Es kommt einzig darauf an, ob etwa eine Auswechslung im normalen zeitlichen Rahmen abläuft oder länger dauert. Der Schiedsrichter bezieht in seine Entscheidung auch mit ein, ob eine Mannschaft bewusst auf Zeit spielt.

Wenn sie vier Trainer fragen, halten drei die Nachspielzeit für falsch. Hätte Wolfsburg geführt, wäre Klaus Augenthaler sicher mit der Entscheidung von Felix Brych zufrieden gewesen.

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