Sport : Verlust mit Gewinn

Frank Bachner

Man tut gut daran, sich von dem sanften Tonfall des Scheichs Mohamed Bin Faleh Al Thani und seinem Lob für den Tennis-Standort Berlin nicht täuschen zu lassen. Lange werden die German Open als Kategorie-1-Turnier, die höchste sportliche Ebene, nicht mehr in Berlin bleiben. Katar richtet mit immensem finanziellen Aufwand die Asien-Spiele 2006 aus, baut sein bisheriges Tennisstadion aus und zieht immer mehr hochwertige Sportveranstaltungen ins Land. Zu diesem Masterplan dürfte auch die Verlegung des T-1-Turniers nach Katar gehören, sobald der Scheich, Präsident des Tennisverbands von Katar, eine terminliche Lösung mit dem Turnierplan des Weltverbands gefunden hat.

Für Rot-Weiß, den traditionellen Ausrichter des Top-Turniers, wäre dieser Verlust bedauerlich. Für Rot-Weiß als Verein hingegen, der wieder zur ersten Adresse im deutschen Tennis werden will, ist die Zusammenarbeit mit den Katarern zweifellos ein Gewinn. Der Klub, wirtschaftlich angeschlagen, braucht deren Geld, um seine Visionen zu verwirklichen. Rot-Weiß soll wieder ein Klub werden, in dem die besten deutschen Talente spielen, in dem Daviscup-Spieler reifen, auf dessen Anlage auch mal wieder Daviscup-Spiele stattfinden. Hohe Ziele, zweifellos. Aber realistischer als die Pläne von einem großen internationalen Turnier als Alternative zu den German Open in der bisherigen Form. Für solche Events gibt’s kaum Sponsoren. Rot-Weiß orientiert sich wieder an seinen Wurzeln. Schlecht ist das nicht.

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