Sport : Vermeintliche Atempause

Die ATP ändert den Tennis-Kalender – ein bisschen

Petra Philippsen[London]
Augen zu und durch. Auch Federer ist am Saisonende am Ende seiner Kräfte. Foto: Reuters
Augen zu und durch. Auch Federer ist am Saisonende am Ende seiner Kräfte. Foto: ReutersFoto: REUTERS

Adam Helfant zählt nicht zu jenen Menschen, die mit ihrer charismatischen Art schnell andere für sich einnehmen. Der Präsident der ATP, der Spieler- und Turniervereinigung der Tennis-Profis, ist seit zwei Jahren im Amt und vermochte noch keinen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Dass der etwas spröde Harvard-Absolvent zumindest nicht zu selbstherrlichem Führungsstil neigt wie sein Vorgänger, der umstrittene Südafrikaner Etienne de Villiers, werteten die Spieler bisher schon als Fortschritt. Dennoch setzten sie Helfant seit seinem Amtsbeginn mit Forderungen unter Druck, die sie schon lange umtreiben. Helfant gab sich daher am Sonntag am Rande des Tour-Finales in London große Mühe, seinen Worten fast schon staatsmännisches Gewicht zu geben. „Wir haben eine Lösung gefunden für das größte Problem, dem der Tennissport je ausgesetzt war: Wir haben die Off-Season für 2012 und 2013 auf sieben Wochen verlängert“, sagte Helfant ganz so, als hoffte er, sich damit seinen Platz in der Tennishistorie zu sichern.

Das dürfte ein Trugschluss sein. Zwar war kein Monat vergangen, in dem nicht Spieler über den zu vollgepackten Turnierkalender geklagt und die zu kurze Pause nach dem Saisonende moniert hätten. Immer wieder hatte die ATP argumentiert, dass man die Saison unmöglich verkürzen könne, da man an die Verträge mit den Turnieren gebunden sei. Doch unzufriedene und vor allem ständig verletzte Topspieler, die bei den wichtigen Veranstaltungen dann als Publikumslieblinge fehlen, kann sich die ATP auf Dauer nicht leisten. Helfant glaubte wohl, es könne nicht schaden, auch mal den Spielern ein wenig nachzugeben. Heraus kam jedoch nicht mehr als ein Kompromiss, der weiteren Ärger heraufbeschwört.

Die Saison wurde zwar um zwei Wochen verkürzt, die Anzahl der Veranstaltungen bleibt jedoch gleich. Der Spielplan rückt also noch dichter zusammen. Die wenigen Pausen, wie zum Beispiel zwischen dem Masters in Paris und dem Tour-Finale, entfallen. Die Turniere in Montpellier, Bukarest, St. Petersburg und Wien bekamen neue Termine zugewiesen, teils zu ungünstigeren Phasen direkt nach Saisonhöhepunkten. Dass die Ansetzungen für den Davis-Cup wie auch für die Grand Slams der Internationalen Tennis-Föderation (ITF) obliegen und nicht der ATP, kommt erschwerend hinzu. Und so monieren die Spieler nach wie vor den frühen Termin der Australian Open in der zweiten Januarwoche . „Ich nehme mir immer nach Melbourne zwei Wochen frei“, sagte Roger Federer, „das ist dann meine eigentliche Off-Season. Die Zeit im Dezember reicht nicht zur Erholung, da muss man sich schon auf den ersten Grand Slam vorbereiten.“

Als Spielerratspräsident hat der Schweizer den Änderungen zwar zugestimmt – aber nur schweren Herzens. „Im Großen und Ganzen ist es gut, dass wir jetzt zumindest sieben Wochen haben“, sagte Federer, „doch die Zeit wird zeigen, ob die Spieler durch den neuen, engen Plan nicht noch öfter verletzt sein werden.“

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