Sport : Vermessene Erwartungen

Sven Goldmann

bedauert den Trainerwechsel in Leverkusen Kein Vorstand muss Fanproteste fürchten, wenn er seinen Trainer durch Rudi Völler ersetzt. So gesehen hat Bayer Leverkusen nach schwachem Start in die Bundesliga und dem Desaster im Uefa-Cup alles richtig gemacht. Völler wird am Sonntag bei seinem Debüt in Duisburg gefeiert werden. Niemand wird davon reden, dass sein Vorgänger Klaus Augenthaler den Verein vor drei Jahren vor dem scheinbar sicheren Abstieg gerettet und gleich darauf in die Champions League geführt hat.

Bayers Geschäftsführer Holzhäuser ließ sich gestern zu der unanständigen Bemerkung hinreißen, er habe „rechtzeitig die Reißleine gezogen“. Vermessen ist seine Erwartung, Völler werde „das aus der Mannschaft rausholen, was in ihr steckt“. Völler wollte nie Trainer sein, er hat sich schon bei der deutschen Nationalelf und in Rom nur mit einiger Mühe und dem Verweis auf seine Popularität dazu überreden lassen. In Rom gab er nach ein paar Wochen auf. Bei der Nationalmannschaft hatte Völler zunächst Erfolg, weil dort so ziemlich jeder Trainer nach Erich Ribbeck erfolgreich gewesen wäre. Mit einem schwer zu ertragenden Defensivstil führte er die Deutschen bei der WM 2002 ins Finale. Der frühere Stürmer Völler hat damals gesagt: „Wenn wir bei der WM nur nach vorne gerannt wären, wären wir nicht so weit gekommen.“

Bayers Strategie war es über Jahre, den spröden Charme der Stadt mit Fußballkunst aufzuhübschen. Es spricht einiges dafür, dass in Leverkusen bald auch der Fußball nicht mehr schön sein wird.

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