Sport : Vermöbelt wie im Comic

Statt der Zweitliga-Tabellenführung holt sich der 1. FC Union beim 1. FC Köln eine 0:4-Demütigung.

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Zack, bumm, peng. Der Kölner Jonas Hector erzielt das Tor zum 4:0. Dass es dabei blieb, lag vor allem an den genügsamen Gastgebern. Foto: Matthias Koch
Zack, bumm, peng. Der Kölner Jonas Hector erzielt das Tor zum 4:0. Dass es dabei blieb, lag vor allem an den genügsamen...Foto: Matthias Koch

Jetzt geht es ganz schnell. Gerade haben die Verteidiger des 1. FC Union einen Schussversuch von Unions Baris Özbek geblockt, da rennt Yannick Gerhardt mit dem Ball los. Im Augenwinkel sieht er Marcel Risse auf der Gegenseite lossprinten. Zack! Gerhardt spielt einen punktgenauen Pass in den Lauf seines Mitspielers. Risse zieht von links in die Mitte und schießt – Bumm! Sekunden später macht es Peng! Der Ball klatscht an den Innenpfosten und landet von dort im Tor – 2:0 für den 1. FC Köln. Die Szene hatte etwas von einem Duell zweier Comichelden. Zack! Bumm! Peng! Und der 1. FC Union war k.o. Wenige Minuten zuvor hatte Risse schon einmal getroffen.

Der Konter, an dessen Ende das 2:0 für den 1. FC Köln stand, war symbolisch für dieses Spiel der Zweiten Liga. Mit wenigen Ballberührungen gelangten die Kölner oft blitzschnell vor das Tor der Berliner, die an diesem Abend nie an ihre Form aus den vergangenen Wochen anknüpfen konnten. So wurde es ein einseitiges Spitzenspiel, das der Tabellenführer 1. FC Köln 4:0 (2:0) gegen seinen ärgsten Verfolger gewann. Köln hat nun drei Punkte Vorsprung auf die Berliner, die immerhin weiterhin auf Rang zwei und damit auf einem direkten Aufstiegsplatz liegen. „Wir waren deutlich unterlegen“, gab Unions Trainer Uwe Neuhaus später zu. „Wir konnten uns nicht durchsetzen, und die Zweikämpfe haben wir fast alle verloren.“ Unions Stürmer Simon Terodde wurde noch deutlicher: „Das war ein Klassenunterschied, das muss man so deutlich sagen.“

Nein, bundesligatauglich präsentierte sich der 1. FC Union nicht an diesem Montag, der ansonsten viel von dem zu bieten hatte, was einen stimmungsvollen Fußballabend ausmacht. 45 000 Zuschauer waren gekommen, um das Aufeinandertreffen der aktuell besten Mannschaften der Zweiten Liga zu sehen. Union war zuvor fünf Spiele in Folge ohne Gegentor geblieben. Dass diese Serie in Köln aber kaum aufrecht zu erhalten sein würde, deutete sich bereits in der Anfangsphase an. Torhüter Daniel Haas musste früh gegen Patrick Helmes und Slawomir Peszko klären. Köln spielte taktisch auf hohem Zweitliga-Niveau. Die Mannschaft von Trainer Peter Stöger zog sich erst zurück und ließ Union kommen. Mit hohem Laufaufwand wurde der ballführende Berliner kurz hinter der Mittellinie aber meist von zwei oder drei Gegenspielern in Empfang genommen. Es dauerte dann meist nicht lange, und Köln hatte den Ball erobert. Gegen das schnelle Umschaltspiel der Gastgeber war Union machtlos. „Die Kölner haben auf unsere Fehler gewartet, und dann ging es ruckzuck“, sagte Terodde.

Die Berliner Abwehr hatte ab Mitte der ersten Halbzeit Schwerstarbeit zu verrichten, was auch daran lag, dass die eigene Offensive kaum etwas zustande brachte. Das Fehlen von Kapitän Torsten Mattuschka, der nach fünf Gelben Karten gesperrt auf der Tribüne saß, machte sich stark bemerkbar. Trainer Neuhaus hatte als Mattuschka-Ersatz Adam Nemec aufgeboten. Der bullige Angreifer sollte hinter Terodde eine Art hängende Spitze geben, aber der Plan ging nicht auf. Terodde und Nemec wirkten verloren, Union brachte in der ersten Halbzeit keinen einzigen gefährlichen Schuss auf das Tor der Kölner fertig. Terodde: „Wir hatten nichts dagegenzusetzen, vorne keine Durchschlagskraft, auch ich nicht.“

Das sollte auch in der zweiten Halbzeit so bleiben. „Wir wollten in der Halbzeit nochmal neu sortieren und haben gesagt, wir wollen auf keinen Fall aufmachen“, sagte Neuhaus. „Aber das war relativ schnell erledigt.“ Wenige Minuten nach Wiederanpfiff war das Spiel entschieden, als Yannick Gerhardt nach einem Freistoß ein Kopfballduell gegen Michael Parensen gewann und auf 3:0 erhöhte.

Durch das Stadion schwappte nun die Welle der Begeisterung, die Kölner Fans riefen: „Einer geht noch, einer geht noch rein.“ Und sie sollten Recht behalten. Nach etwas mehr als einer Stunde staubte Jonas Hector am langen Pfosten zum 4:0 ab. Union hatte sich da schon aufgegeben. Nichts gelang. Manchem Fan durften Erinnerungen gekommen sein an das historische 0:7-Debakel aus der Saison 2002/03. Dass es so schlimm nicht wurde, lag auch an den Kölnern, die nach dem 4:0 einen Gang zurückschalten. Aber auch so war das Resultat ein Debakel für die mit großen Ambitionen in das Spiel gegangenen Berliner. Simon Terodde gab deswegen schnelles Vergessen als Losung aus: „So schnell wie möglich abhaken und gegen andere Mannschaften die Punkte holen.“

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