Sport : Vernunft, bitte jetzt!

Marcel Reif

Die EM kommentiert von

Ottmar Hitzfeld fällt nicht unters Armenrecht, er wird vielleicht ein Jahr pausieren und schauen, was beim AC Mailand passiert, Real Madrid oder Manchester United. Und wenn nichts passiert, passiert etwas in seiner geliebten Schweiz, wo auch mal ein Erfolgstrainer erwünscht ist. Ottmar Hitzfeld also hat trotzdem alles gewonnen – den kleinen Schaden, den er genommen hat, weil er ein wenig zu kokett Bereitschaft versprochen hat, die unter Mayer-Vorfelderschen Bedingungen nicht haltbar war, wird er mannhaft ertragen.

Und wo bleiben wir, wo bleibt der deutsche Fußball? Ich fürchte, in den nächsten Tagen wird die Suche nach einem Nachfolger für den zurückgetretenen Rudi Völler und den nicht angetretenen Hitzfeld nicht von Vernunft und Weitsicht geprägt sein – ich fürchte, die Personaldebatte wird auf den Titelblättern des Boulevards entschieden. Und da wird nicht die Frage beantwortet, wer der geeignetste Mann wäre, die nächsten zwei Jahre bis zur WM 2006 solide und seriös über die Bühne zu bringen, sondern die Frage, wer kompatibel ist fürs Titelblatt. Jupp Heynckes, der Immer-mal-wieder-Kandidat? Der wird gar nicht erst gefragt werden wollen. Doch Christoph Daum, für den sich laut „Bild“-Umfrage 53 Prozent aussprechen? Nicht, wenn damit der Krach mit dem FC Bayern und Franz Beckenbauer programmiert ist. Lothar Matthäus? Ein Freund des Hauses Springer gewiss, aber kann man mit dem schon Spaß und Auflage haben? Und dann wird der Name eines Mannes fallen, der den deutschen Fußball um Jahre zurückwerfen wird, der polarisiert und Auflage macht. Mit Otto Rehhagel kommen wir nicht weiter – aber das ist nicht mehr die entscheidende Frage.

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