Sport : Verordnete Langeweile

Der Alltag im Gefängnis Moabit

Steffen Hudemann

Berlin - Noch ist Robert Hoyzer unschuldig. Das wird er auch bleiben, solange er nicht von einem Gericht rechtskräftig verurteilt ist. Seit Samstag sitzt der ehemalige Schiedsrichter allerdings in der Jusitzvollzugsanstalt (JVA) Berlin-Moabit in Untersuchungshaft. Je nachdem, wie der für heute angesetzte Haftprüfungstermin ausgeht, wird er möglicherweise bis zum Beginn der Hauptverhandlung im Gefängnis bleiben. Die U-Haft ist juristisch keine Strafe, sondern eine „verfahrenssichernde Ermittlungsmaßnahme“.

Robert Hoyzer wird das kaum ein Trost sein. 23 Stunden am Tag verbringt er allein in einer acht Quadratmeter großen Zelle, die nur spartanisch mit Bett, Stuhl, Tisch und einer Toilette ausgestattet ist – nur einmal am Tag darf der Gefangene sie zum einstündigen Hofgang verlassen. Die Haftbedingungen in der Untersuchungshaft sind oft schlechter als im Strafvollzug – obwohl dort niemand rechtskräftig verurteilt ist.

Untersuchungshaft bedeutet vor allem eines: Langeweile. Von einem geregelten Tagesablauf, wie es ihn im Strafvollzug gibt, ist der Alltag im Untersuchungsgefängnis weit entfernt. Die Inhaftierten arbeiten oft nicht, auch von Bildungs- oder Freizeitangeboten sind die Gefangenen häufig ausgeschlossen. Fußballspielen in einer JVA-eigenen Turnhalle wird Robert Hoyzer vorerst nicht können. Auch in seiner Zelle besteht wenig Abwechslung. Gebrauchsgegenstände wie Wasserkocher, Radio, Bücher oder Zeitungen müssen vom Richter genehmigt werden. Entsprechend karg sehen die Zellen meist aus. Kaffee, Obst oder Zigaretten kann sich der Gefangene im Gefängnis kaufen – vorausgesetzt seine Angehörigen haben ihm Geld zukommen lassen. Auch Besuch gibt es in der Regel nur alle zwei Wochen. Dazu müssen Angehörige oder Freunde erst einen Besuchstermin und anschließend einen so genannten Sprechschein beantragen. Nicht genehmigt wird der Besuch, wenn er dem Zweck der Haft widerspricht, zum Beispiel die Durchführung des Strafverfahrens gefährdet.

Moabit – das ist nicht nur der Name eines Berliner Stadtteils, sondern längst auch Synonym für die dort befindliche Haftanstalt. Ende des 19. Jahrhunderts wurde der heute unter Denkmalschutz stehende rote Backsteinbau errichtet. Schon Rosa Luxemburg war dort kurzzeitig inhaftiert. Während der NS-Zeit war Moabit als politisches Gefängnis berüchtigt. In der jüngeren Vergangenheit waren Erich Honecker und Erich Mielke prominente Insassen der JVA Moabit.

Derzeit sitzen rund 1300 Personen in Moabit, darunter auch die mutmaßlichen Mittäter Hoyzers, die drei Brüder S. aus dem Café King. Die Behörden werden allerdings dafür sorgen, dass Hoyzer keinen Kontakt zu den Brüdern S. hat. „In der Haftanstalt gibt es genügend Mittel, ihn abzuschirmen“, sagt Generalstaatsanwalt Hansjürgen Karge. Zum einen, damit die Beschuldigten sich nicht untereinander absprechen können, zum anderen zu Hoyzers Schutz. Denn der Schiedsrichter hat die kroatischen Brüder durch seine Aussage schwer belastet. Der Berliner Strafverteidiger Klaus-Peter Richter fürchtet, dass es für Robert Hoyzer ungemütlich werden könnte: „Das Gefängnis ist der schlimmste Ort für ihn. Er kann nicht fliehen. Und wer ihn einschüchtern will, dem wird das auch gelingen.“

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