Verpasste Gold-Chance : Hockey-Damen spielen nur noch um Platz drei

Als amtierender Olympiasieger sind sie gestartet. Doch nun sind die deutschen Hockey-Frauen im Halbfinale gegen Gastgeber China mit 2:3 ausgeschieden. Am Freitag wollen sie Argentinien schlagen und immerhin noch Bronze gewinnen.

Benedikt Voigt[Peking]
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Der Jubel der anderen. Janne Müller-Wieland ist enttäuscht.Foto: AFP

Was die Musikauswahl betrifft, hatte die deutsche Hockey-Frauen am Mittwochabend im Pekinger Norden ein Heimspiel. Vor ihrem Auftritt schallten Nena, die Ärzte und Jan Delay über die Lautsprecher im olympischen Hockeystadion, nach dem Spiel durften sie den Karnevals-Hit "Viva Colonia" von "de Höhner" hören. Dessen erste Zeile lautet: "Da sind wir dabei, das ist prima".

Doch für die deutschen Hockeyfrauen war nichts prima, und dabei sind sie auch nicht mehr so richtig. Weshalb keiner Spielerin karnevalistisch zu Mute war, im Gegenteil. Spielführerin Marion Rhodewald lief sogar weinend aus der Mixed Zone. "Das ist im ersten Moment rausgebrochen, das war die Enttäuschung, dass das Finale möglich gewesen wäre", sagte Rhodewald später, "eine Chance auf Gold bekommt man eben nur alle vier Jahre". Nach dem 2:3 (1:1) am Mittwochabend im olympischen Halbfinale gegen China müsste sie wieder so lange warten, wahrscheinlich aber wird die 31 Jahre alte Hockeyspielerin in London ohnehin nicht mehr dabei sein.

Spiel um Platz drei gegen Argentinien

Als amtierender Olympiasieger war die Mannschaft von Trainer Michael Behrmann ins Turnier gestartet, nun kämpft sie am Freitag um Bronze gegen Argentinien, das gegen die Niederlande 2:5 unterlag. In der Vorrunde hatte das deutsche Team gegen die Südamerikaner 0:4 verloren. "Da haben wir noch etwas gut zu machen", sagte Marion Rhodewald.

Zweimal waren die deutschen Damen im Halbfinale in Führung gegangen, Natascha Keller hatte in der 4. Minute das 1:0 erzielt, Janine Beermann unmittelbar nach der Pause das 2:1. "Wir sind nach den Führungstreffern viel zu passiv geworden, haben die Chinesinnen viel zu sehr ins Spiel kommen lassen", sagte Marion Rhodewald. Tang Chunling und Ma Yibo nach einer Strafecke konnten jeweils ausgleichen. Der dritte Gegentreffer fiel unglücklich, die ansonsten sichere Torfrau Kristina Reynolds schlug in der Luft vorbei, Zhao Yudiao hieb die Kugel volley ins Tor. Das deutsche Team forderte einen Videobeweis. "Wir haben geglaubt, dass der Stock zu hoch war", sagte Natascha Keller, "aber eigentlich konnte man nichts machen".

In der Schlusssekunde hatte die deutsche Mannschaft bei einer Strafecke noch eine letzte Ausgleichschance. Doch Fanny Rinne brachte den Ball nicht ordentlich zu Anke Kühn. "Den Pass hätte ich mir anders vorgestellt", sagte Bundestrainer Michael Behrmann.

Die Gastgeber waren fitter

Im torlosen Halbfinale von Athen hatte das deutsche Team nach Siebenmeterschießen gewonnen, diesmal aber haben sich die Chinesinnen als stärker erwiesen. "Das muss man anerkennen", sagte Behrmann. Er erklärte es mit dem Druck, den die Gastgeberinnen aufgrund ihrer überlegenen Physis ausgeübt hätten. "Die Chinesinnen laufen wie aufgezogene Spielzeugmäuschen und werden nicht müde." Da sei es für sein Team schwer, dagegenzuhalten, sagte der Bundestrainer.

Chinas südkoreanischer Cheftrainer hatte offenbar im Training großen Wert auf körperliche Fitness gelegt. Man kann aus seinem Statement in der Pressekonferenz nur ahnen, wie es dabei zugegangen ist. Warum er auch "der Teufel" genannt werde, wurde Kim Chang Back gefragt. "Im Privatleben bin ich es nicht", antwortete er, "aber im Training werde ich immer der Teufel sein".

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