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Verpatzter NBA-Saisonauftakt : Nowitzkis Mavericks gehen gegen Miami unter

In der Neuauflage des NBA-Finals vom Juni triumphierte diesmal Miami deutlich gegen Dallas. Dirk Nowitzki musste sich am Ende mit dem vor dem Spiel in der Halle aufgezogenen Meisterschaftsbanner trösten.

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Viel zu schnell. Miamis Superstar LeBron James (mit Ball) zieht zum Auftakt der NBA-Saison locker an den Dallas Mavericks mit Dirk Nowitzki (l. ) vorbei.
Viel zu schnell. Miamis Superstar LeBron James (mit Ball) zieht zum Auftakt der NBA-Saison locker an den Dallas Mavericks mit Dirk...Foto: Reuters

Die Festivitäten waren schnell beendet, feierlich dürfte keinem der Dallas Mavericks am Sonntagabend zumute gewesen sein. Vor dem Saisonauftakt gegen Finalgegner Miami Heat war noch das „Championship-Banner“ der Mavericks für den NBA-Titel der vergangenen Saison unter das Hallendach von Dallas gezogen worden, danach spielte allerdings nur ein Team meisterwürdig. Die Mannschaft um Dirk Nowitzki wurde von Miami vorgeführt und lag zwischenzeitlich mit 35 Punkten zurück, nur auf dem Papier wirkte der Endstand von 94:105 einigermaßen erträglich. „Das Gute ist, dass es schlechter nicht mehr werden kann“, sagte Nowitzki, der bei schwacher Wurfquote auf 21 Punkte kam. „Wir waren einfach nicht aggressiv genug – nicht im Angriff, nicht in der Verteidigung und auch nicht bei den Rebounds.“

Nowitzkis Mitspieler Jason Terry, am Ende bester Mavericks-Werfer mit 23 Punkten, hatte zur Feier des Tages sogar goldene Basketballschuhe angezogen. Vor dem Sprungball richtete sich Terry per Mikrofon an die Fans: „31 Jahre habt ihr gewartet – 31 Jahre – um euer Team Champion nennen zu können!“ Von Anfang an war allerdings nicht zu übersehen, dass Dallas wichtige Bestandteile des Meisterteams abgegeben hat: Unter den Körben fehlte die Präsenz von Center Tyson Chandler, auch die Schnelligkeit von Aufbauspieler J.J. Barea wurde vom enttäuschten Publikum schmerzlich vermisst. Nowitzkis Team wirkte, als habe es die durch den Arbeitskampf verlängerte Sommerpause hauptsächlich mit Faulenzen verbracht. Immer wieder verlor Dallas gegen die deutlich aggressiveren, agileren und wacheren Spieler der Heat den Ball. Schon nach dem ersten Viertel lagen die Mavericks mit 15 Punkten zurück, zur Halbzeit betrug der Rückstand 21 Zähler. Nach der Pause wurde die Partie fast noch einseitiger, eine 14:0-Serie der Gäste verdrängte jeden Zweifel daran, wer dieses Spiel gewinnen würde.

Beim Stand von 43:76 stürzten sich drei Gegenspieler auf Nowitzki und schnappten sich den Ball, blitzartig ging es in der andere Richtung. Der Würzburger war nicht einmal an der Mittellinie angekommen, als Miami den Schnellangriff schon spektakulär abschloss. LeBron James sprang ab und fing einen Pass deutlich über dem Ring, tippte den Ball mitten im Flug aber noch einmal zurück zu Dwyane Wade, der den Pass ebenfalls in der Luft fing und per Dunking verwandelte. Zu diesem Zeitpunkt schien der Meisterschaftsjubel in Dallas Ewigkeiten her zu sein.

Miamis im Finale noch gedemütigten Stars James und Wade wirkten, als wollten sie alle highlightfähigen Dunkings der Saison in dieses eine Spiel packen. James zeigte mit 37 Punkten, zehn Rebounds und sechs Assists eine dominierende Vorstellung, Wade war mit 26 Zählern, acht Rebounds und sechs Assists kaum schlechter. „Ich habe mir wegen meiner Leistung im Finale natürlich viele Vorwürfe gemacht“, sagte LeBron James, der bei der 2:4-Niederlage gegen die Mavericks in den entscheidenden Augenblicken fast immer abgetaucht war und damit die Erwartungen der amerikanischen Basketballfans bitter enttäuscht hatte. „Ich war sehr glücklich darüber, das heute hinter mit zu lassen und zurück an die Arbeit zu gehen.“

Mavericks-Neuzugang Lamar Odom traf mit seinem ersten Wurf für Dallas per Dreier zwar noch zum 11:11, danach wurde deutlich, wie wenig eingespielt Nowitzkis neues Team bislang ist. Der aus Phoenix verpflichtete Routinier Vince Carter enttäuschte völlig, Odom ließ sich im dritten Viertel zu zwei Technischen Fouls hinreißen, für die er disqualifiziert wurde. Flügelspieler Shawn Marion brach sich den kleinen Finger der linken Hand, wollte aber im zweiten Saisonspiel in der Nacht zu Dienstag bereits wieder auflaufen. „Die Meisterschaftszeremonie vor dem Spiel kann keine Entschuldigung für uns sein. Wir werden mit diesem Team eine neue Identität schmieden müssen“, sagte Dallas-Coach Rick Carlisle. „Wir sind jetzt einen andere Mannschaft. Da kommt eine Menge Arbeit auf uns zu, das wird nicht leicht.“

Die Mavericks sollten sich nicht allzu viel Zeit lassen, bis sie Identität und Form gefunden haben. Die verkürzte NBA-Saison erlaubt keine Fehlstarts und Schwächephasen, am Sonntagabend wirkte Dallas keineswegs wie ein Titelverteidiger oder ein Titelkandidat. „Es war das erste Spiel der Saison“, versuchte Aufbauspieler Delonte West zu beschwichtigen. „Und ich glaube nicht, dass man irgendein Team dieses Jahr danach beurteilen sollte, wie es in den nächsten Tagen spielt. Das sagt wenig darüber aus, wie weit die Mannschaft im Juni sein werden.“ Der 38 Jahre alte Spielmacher Jason Kidd musste allerdings auch zugeben, dass der Findungsprozess in Dallas Zeit brauchen wird. „Wir müssen uns alle noch aneinander gewöhnen“, sagte Kidd, „Bisher haben wir noch viele verschiedene Teile auf dem Feld. Aber die Chemie in einem Team kann viel bewirken.“

Dirk Nowitzki hatte in den Tagen vor dem Saisonstart erklärt, er werde sicher noch eine Weile brauchen, bis er hundertprozentig in Form sei. Nach dem Gewinn des NBA-Titels im Juni hatte der 33-Jährige zunächst in Dallas und Würzburg die Meisterschaft gefeiert, nach einem kurzen Urlaub lief er für Deutschland bei der EM in Litauen auf. Danach ging Nowitzki erneut in Urlaub, das Trainingslager in Dallas begann nach dem Ende des Lockouts erst zwei Wochen vor Saisonstart. Wie sehr ihm und seinen alternden Mitspielern eine längere Saisonvorbereitung fehlt, war gegen Miami überdeutlich zu sehen.

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