Sport : Verrichtet der Box-Europameister wieder Kurzarbeit?

Andreas Hardt

2000 Volkswagen-Arbeiter jubelten auf ihrem Werksgelände in Hannover-Stöcken einem Mann zu, weil er in seinem Job etwas meisterlich beherrscht, was sie in ihrem hassen: Kurzarbeit. Box-Europameister Wladimir Klitschko machte vor seiner ersten Titelverteidigung heute (22.15 Uhr/live bei Sat. 1) in Hannover gegen den Ungarn Lajos Erös bei den Autobauern mit einem Showtraining Werbung in eigener Sache.

Die Resonanz war überwältigend für den Schwergewichts-Champion aus der Ukraine, der in Hamburg lebt und trainiert: "Es ist toll, dass ich von den deutschen Fans so angenommen werde, darüber freue mich sehr." Der 23-Jährige schickte zwar Deutschlands Boxstar Axel Schulz in beinahe furchterregender Manier in den Ruhestand, trotzdem wird er nicht nur bewundert, sondern gemocht. Sogar von Schulz, der als Sprecher bei Klitschkos 32. Fight in den Ring zurückkehren und seinem Bezwinger mit der Anpreisung im Seilgeviert seine Referenz erweisen wird.

Wie der populäre Brandenburger wird auch Lajos Erös, wenn er später einmal seinen Kindern und Enkeln von der eigenen Karriere erzählt, auf den Namen Klitschko im Kampfrekord hinweisen können: "Schaut mal, der ist später Weltmeister geworden, und ich habe gegen ihn gekämpft." Genauso sehen jedenfalls die Planungen von Klitschko und Manager Klaus-Peter Kohl vor der "Weihnachtsschicht" aus. "In der zweiten Jahreshälfte boxt Wladimir um einen WM-Gürtel", betont der Hamburger Geschäftsmann gebetsmühlenartig.

Die Aufbauarbeit ist längst geleistet. Ab sofort werden die Gegner stärker und die Kämpfe weniger. Maximal vier, fünf Fights pro Jahr soll es für Klitschko in Zukunft geben. Der bedauernswerte 35 Jahre alte Erös ist somit der letzte Vertreter einer Reihe von Gegnern, die der Olyympiasieger von 1996 in seinen drei Profijahren kurz und schmerzvoll erledigte und damit seinen Rekord international reputierlich aufpolierte: 22 seiner 28 Knockouts erledigte er in den ersten drei Runden.

Seine Lieblingsrunde ist die erste. In dem ansonsten als Abtastphase genutzten Einführungsdurchgang legte er bislang neun Gegner flach. Sieben folgten in der zweiten, sechs in der dritten Runde. Axel Schulz hielt vor zehn Wochen immerhin bis zur achten Runde durch und schlug sich damit durchaus achtbar. "Auch diesmal möchte ich so schnell wie möglich gewinnen", sagt der "kleine Klitschko", "ich bin gut vorbereitet - es wird eine gute Show."

Das glaubt auch der Fernsehsender Sat.1, dem Klitschko als Hauptkampf seiner Box-Übertragung ausreicht. Denn eigentlich war der schnelle Aufgalopp gegen den Ungarn nur als Appetithäppchen für einen Fight von Halbschwergewichts-Weltmeister Dariusz Michalczewski geplant. Doch der Hamburger wurde krank, und die "Vorspeise" Klitschko wurde flugs zum Hauptgang des Boxmenüs aufgewertet.

Die Zuschauer scheinen jedenfalls keine Angst zu haben, dass sie nicht dazu kommen, sich satt zu sehen. "Es sind nach Michalczewskis Absage praktisch keine Karten zurückgegeben worden", sagte Kohls Sprecher Bernd Bönte, "die Leute wollen Wladimir sehen. Und bei Mike Tyson früher sind die Zuschauer auch gekommen, obwohl sie wussten, dass es schnell gehen wird." Oder gerade deshalb?

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