Sport : Verrückt nach Mourinho

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Der verrückteste Klub der Welt? Natürlich Real Madrid. Der Erfolg dieses, nun ja, Sportvereins basierte zuletzt in den Di-Stefano-Jahren auf sportlichen Großtaten, also vor einem halben Jahrhundert. Zuletzt hat Real sein Dauerabonnement auf Platz zwei in der Primera Divison durchgesetzt über: größenwahnsinnige Mäzene, unverantwortliche Kreditaufnahmen und anrüchige Immobiliengeschäfte. Dass es in der Champions League öfter zum Einzug ins Achtelfinale reichte, verdankte Real einem skandalösen Steuersystem, aber immerhin damit ist es jetzt vorbei. Zuweilen bringt die EU-Bürokratie auch Sinnvolles zustande.

Seltsamerweise hat Real die sportliche Betreuung seiner überteuerten Belegschaft in den vergangenen Jahren fast ausschließlich in die Hände zurückhaltender Herrschaften gelegt. Trainer wie Fabio Capello, Manuel Pellegrini oder Bernd Schuster zählen nicht zu den Lautsprechern ihres Gewerbes. Es macht also durchaus Sinn, dass Real mit dieser Tradition bricht und sich endlich auch einen dem Image des Klubs angemessenen Trainer zulegt. Zur Auswahl standen zwei Herrschaften, aber da Diego Maradona über seinen kickenden Schwiegersohn an den Nachbarn Atletico gebunden ist, musste die Wahl auf José Mourinho fallen.

Florentino Perez, der eitelste und verschwenderischste und unanständigste aller Präsidenten der jüngeren Klubgeschichte, rechtfertigt die millionenschwere Investition in Mourinho damit, dieser sei immerhin der beste Trainer der Welt. Schon einmal hat Mourinho mit diesem Qualitätsanspruch einen Job angetreten. Das war beim FC Chelsea, wo er alles Geld der Welt ausgeben durfte, hässlichsten Brutalo-Fußball aufführen ließ und in drei Jahren nicht einmal ins Champions-League-Finale kam. Daran wird er bei Real zu messen sein, nicht an seinen Champions-League-Siegen mit dem FC Porto und Inter Mailand. In Porto hatte er gar keinen Druck, in Mailand nur sanften, weil er dort als bei Chelsea Gescheiterter antrat und weil Inter in Europa seit 40 Jahren nichts mehr gewonnen hatte.

In Madrid muss er mindestens Meisterschaft und Champions League holen. Perez wird ihm dafür keinen Wunsch ausschlagen, und wenn er dafür bei der Hausbank mit vorgehaltener Maschinenpistole vorstellig werden muss. Vielleicht hat Real in José Mourinho endlich den Trainer gefunden, der den verrücktesten Klub der Welt in die wohlverdiente Pleite treibt.

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