Sport : Verrückte Bundesliga: 1971: Kaiser geknickt

Geknickt trottete Franz Beckenbauer am 5. Juni 1971 in Duisburg vom Platz. Als Tabellenführer ging sein Team in das letzte Spiel - und scheiterte. Borussia Mönchengladbach fing die Mannschaft noch ab. Beide Teams waren vor dem Anpfiff punktgleich, die Bayern hatten die um einen Treffer bessere Tordifferenz. Doch das erwartete Wettschießen um den Titel blieb aus. Die Münchner unterlagen beim MSV mit 0:2, während die Gladbacher Fohlen in Frankfurt 4:1 gewannen und zum zweiten Mal in Folge Meister wurden. 1986 war es umgekehrt: Obwohl die Bayern zwei Punkte Rückstand auf Werder Bremen hatten, gelang es ihnen, den Norddeutschen die Meisterschale noch zu entreißen. Vier Tage zuvor hatte Werder in der 88. Minute gegen München einen Elfmeter verschossen, die Partie endete 0:0. Die verunsicherten Bremer, die 31 Spieltage an der Spitze gestanden hatten, verloren am 34. Spieltag beim VfB Stuttgart 1:2, die Bayern fegten Gladbach mit 6:0 weg. Schon nach 30 Sekunden gelang Lothar Matthäus das 1:0. Dieter Hoeneß und Roland Wohlfahrt schossen zwei Tore, Reinhold Mathy steuerte den sechsten Treffer bei. Auf den Spielrausch folgte das Hörspiel. Die Radiogeräte, die den Spielstand aus Stuttgart meldeten, waren für die Akteure interssanter als der Ball. Nachdem Stuttgarts Karl Allgöwer den Bayern mit zwei Treffern Schützenhilfe geleistet hatte, brachte der 36-jährige Manfred Burgsmüller die Gäste zehn Minuten vor dem Abpfiff noch einmal heran. Ein Unentschieden hätte Bremen zum Titel gereicht. "Unsere Partie war eher beendet, Stuttgart führte 2:1, wir alle hörten Radio", erinnert sich Dieter Hoeneß . "Als der VfB-Sieg sicher war, war es eine Erlösung, als ob ein Champagner-Korken hoch ging."

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