Sport : Verrückte Bundesliga: 1978: Volle Kanne und zwölf Tore

Es muss Momente geben, in denen Sportjournalisten an ihrem Beruf verzweifeln. Dem Reporter vom Fernsehen könnte es so ergangen sein, der am 29. April 1978 Hennes Weisweiler im Hamburger Volksparkstadion interviewte. Die Bilder aus dem Archiv werden auch heute noch gelegentlich gezeigt. Weisweiler hatte gerade mit dem 1. FC Köln 5:0 gegen St. Pauli gewonnen und sich damit die Meisterschaft gesichert. Doch der Trainer machte ein Gesicht, als sei er soeben zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt worden.

Vielleicht hatte ihn die Aufregung zu sehr mitgenommen. Der 1. FC Köln hatte vor dem letzten Spieltag mit zehn Toren Vorsprung vor dem Vorjahresmeister Borussia Mönchengladbach an der Tabellenspitze gelegen. Eine scheinbar klare Sache, zumal der Gegner der Kölner bereits als Absteiger feststand. Doch die Gladbacher gewannen mit dem Rekordergebnis von 12:0 gegen Borussia Dortmund, und von dem komfortablen Vorsprung des FC waren am Ende nur noch drei Tore übrig geblieben. "Wir sind von Anfang an volle Kanne gegangen", sagt Udo Lattek, der die Gladbacher damals trainierte. "Und wir waren drauf und dran, die Kölner zu überholen, aber dann fingen die auch an, Tore zu schießen." Genau drei zu viel für die enttäuschten Borussen.

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