Sport : Verschämte Sieger

Bochum spielt schwach, schlägt aber Mönchengladbach 1:0

Stefan Hermanns

Bochum. Bei Holger Fach ging es zu wie am Schülersprechtag. In der ersten Halbzeit empfing der Trainer von Borussia Mönchengladbach alle zehn Minuten einen seiner Spieler an der Seitenlinie, um neue taktische Anweisungen zu erteilen. Die kleine Praxisschulung war lange Zeit erfolgreich. 88 Minuten beherrschten die Gladbacher im Bochumer Ruhrstadion das Geschehen. Dann schritt Delron Buckley zur Ausführung eines Freistoßes für den heimischen VfL, der Ball flog in den Fünfmeterraum, Gladbachs Verteidiger Sladan Asanin versuchte zu klären, erwischte den Ball jedoch falsch und trat ihn zum 0:1 ins eigene Tor. „Es tut mir Leid für die Gladbacher“, sagte Bochums Torhüter Rein van Duijnhoven. „Wir haben es eigentlich nicht verdient.“ Die Aussage traf das allgemeine Empfinden, und doch hatte sich schon früh angedeutet, dass das Spiel ein solches Ende nehmen würde. Nach zehn Minuten hatten die Bochumer ihre erste Tormöglichkeit – nach einem Freistoß. Hashemian erwischte eine Flanke von Dariusz Wosz mit dem Hinterkopf, Gladbachs Torhüter Reitmaier parierte.

Anschließend versuchten sie es immer wieder auf diese Weise. Holger Fach hatte seinen Spielern sogar in der Halbzeit noch gesagt, „dass wir hier nur ein Problem kriegen, wenn wir ein dummes Foul machen an der Seite“. Trotzdem brachte Carnell Madsen kurz vor Schluss zu Fall.

Das folgende 1:0 war das 21. Tor der Bochumer nach Ecken oder Freistößen in dieser Saison. Trotzdem hätten die Gladbacher keine Probleme bekommen, wenn sie in der ersten Halbzeit eine ihrer Chancen genutzt hätten. Carnell, Demo und Strasser vergaben jedoch so überhastet, dass die Bälle nicht einmal aufs Tor flogen. Zum zwölften Mal in dieser Saison blieben die Bochumer ohne Gegentor, seit 834 Minuten ist Rein van Duijnhoven im Ruhrstadion unbezwungen, und die letzte Niederlage des VfL liegt mehr als zwei Monate zurück.

Die hervorragende Zwischenbilanz müsste die Bochumer eigentlich selbstbewusst machen, und doch fragte sich ihr Trainer Neururer zur Pause: „Warum spielen wir eigentlich mit so großer Angst gegen Borussia Mönchengladbach?“ Der VfL ist immerhin Vierter, hat 41 Punkte und damit auch bei vorsichtigster Rechnung den Klassenerhalt geschafft. „Die Mannschaft ist mit dem neuen positiven Druck nicht so gut umgegangen“, sagte Neururer. Weil sie das Spiel trotzdem gewonnen habe, dürfe sie sich als Spitzenmannschaft bezeichnen, „spielen müssen wir aber anders“.

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