Sport : Verschworen

Bruno Risi bangt für die Berliner Sixdays um seinen Schweizer Partner Kurt Betschart

Hartmut Moheit

Berlin - Es war so etwas wie der Rütlischwur, den sich Bruno Risi und Kurt Betschart einst gegeben haben. Nur zusammen sind wir stark, versprachen sich die beiden Schweizer Bahnfahrer und konnten in 14 Jahren nur zu zweit für Sechstagerennen verpflichtet werden. Ein Ausfall in einer der Nächte, wie der von Betschart in Berlin 2004, blieb die Ausnahme. „Das soll in dieser Saison nicht anders laufen, aber ich ahne Schlimmes“, sagte der 36-jährige Risi gestern mit Blick auf die 94. Sixdays im Berliner Velodrom. Ginge es nach dem Rat der Ärzte, dann müsste sich Kurt Betschart wegen akuter Sitzbeschwerden sofort einer Operation unterziehen. „Kurt will sich in der Schweiz noch einmal durchchecken lassen, dann wird er sich entscheiden“, berichtete Risi. Der Kapitän aller Sechstagefahrer warnte den Sportlichen Leiter Otto Ziege bereits: „Zur Not müssen wir doch eine andere Variante finden.“ Diese Notvariante könnte Risis Landsmann Franco Marvulli sein, mit dem er in Athen olympisches Silber gewann.

Die Fragen nach Betscharts Gesundheit und nach dem Heilungsprozess des Vorjahrssiegers Guido Fulst, der in Dortmund schwer gestürzt war, blieben als einzige unbeantwortet. Der Rest ist für das Berliner Sechstagerennen, das vom 27. Januar bis zum 1. Februar stattfinden wird, geklärt. „Unser Sechstagerennen ist krisenfrei“, berichtete Veranstaltungschef Heinz Seesing. Er kündigte zugleich ein Rahmenprogramm an – mit Tony Christie, De Randfichten und Abba Revival Show – und sprach dann vor allem über den sportlichen Teil: „Die Show muss sein, aber das Sechstagerennen soll ein sportliches Highlight bleiben.“ Auch mit den Sprintern und den Stehern.

Für Bruno Risi steht ohnehin außer Frage, dass deswegen die Masse der Fans ins Velodrom kommt. „Wir haben dem Publikum gegenüber eine Verantwortung, deshalb würde auch ein nur halbgesunder Kurt Betschart nicht starten“, sagte er. Ein Problem hat Risi für sich bereits gelöst, das der Bahnrad-WM im März in Los Angeles. „Von Januar bis Anfang Februar sind noch die Sechstagerennen in Rotterdam, Bremen, Stuttgart, Berlin und Kopenhagen, danach reicht die Zeit für eine gute WM-Vorbereitung nicht mehr aus. Ich werde deshalb bei der WM nicht starten“, kündigte er an. Die Kritik am Internationalen Radsportverband UCI, der Bahnradsport ganz in die Wintermonate verlegen möchte, teilt er mit vielen seiner Konkurrenten.

Die Atmosphäre der Sechstagerennen möchte keiner von ihnen missen. „Mich stört an Berlin lediglich, dass ich erst einmal gewinnen konnte“, sagte Risi bei seinem Besuch in Berlin. Und das bei insgesamt 35 Erfolgen. Die Kampfansage für 2005 war unüberhörbar. „Bis ich 40 bin möchte ich schon noch angreifen“, versprach Risi. Im Vergleich zu den Niederländern Slippens/Stam, Gilmore/McGrory aus Belgien und Australien sowie seinen Landsleuten Marvulli/Aeschbach hat er in dieser Saison noch Nachholbedarf. Sie alle konnten bereits Erfolge einfahren. Risi/Betschart waren unter den Besiegten. Wenn ein Fahrer nicht in Bestform ist, hilft eben auch der stärkste Schwur nichts.

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