Sport : Versöhnlicher Abschluss eines Langweilers

Daniel Pontzen

So ein Champions-League-Spiel kann ganz schön langweilig sein. Standen da auf dem Rasen des Münchner Olympiastadions mit dem FC Bayern München und Manchester United auch zwei der besten Fußball-Mannschaften Europas, konnten sie noch lange kein attraktives Spiel garantieren. Für Manchester, 1999 im denkwürdigen Finale glücklicher Sieger über den FC Bayern, wäre die Rechnung in diesem ganz von der Taktik diktierten Spiel fast aufgegangen, doch in der dann doch noch ein wenig entschädigenden Schlussphase gelang Sergio noch der Ausgleich zum 1:1 (0:0). Der Titelverteidiger war im ersten Zwischenrundenspiel gerade noch mal davongekommen.

Nur zwei Grad zeigte das Thermometer im Olympiastadion an. Oliver Kahn wird die niedrige Temperatur besonders gespürt haben, denn in der ersten Habzeit musste er nicht einen einzigen Ball halten. Manchester spielte mit einer einzigen Sturmspitze (van Nistelrooy) - und die lief fast jedesmal ins Abseits. Nur einmal, nach einem Freistoß des von Lizaru meist gut bewachten Beckham, musste Kahn bangen, doch Browns Kopfball ging knapp am Tor vorbei. Kahn wäre machtlos gewesen.

Wenn Franz Beckenbauer zur Pause meinte, er habe bis dahin ein "gutes, technisch hoch stehendes Spiel" gesehen, so musste er im falschen Stadion gewesen sein. Manchester baute fast ausschießlich auf die Defensive, die Bayern taten nicht viel mehr. So war Manchesters eigenwilliger Torhüter Barthez lange Zeit kaum stärker beschäftigt als Kahn. Zwei Möglichkeiten für Salihamidzic, nicht einmal hochprozentig, sprangen heraus - ein bisschen wenig, um die Kälte zu vergessen. Auch Effenberg, nach seinem Comeback in Bremen wieder dabei, beschränkte sich auf einige wenige gute Aktionen. Alles in allem zu wenig, um die Fans in Verzückung zu versetzen. Wobei die berühmte Südkurve ohnehin nur zu einem Drittel besetzt war. Und als von der einmal La Ola begonnen wurde, ebbte die Welle schon auf der Gegengeraden ab.

Dass Effenberg nach einer guten Stunde aus dem Spiel genommen wurde, war absehbar, denn noch ist er nach seiner langen Verletzungspause nicht im Vollbesitz seiner Kräfte. Mit ihm ging auch Elber, für ihn kam Jancker. Allzu viel hatte Elber bis dahin nicht geboten. Mit den Auswechslungen änderte sich kaum etwas. Weiterhin wurde auf beiden Seiten risikolos gespielt, höchst taktisch, aber eben unattraktiv.

Erst in der letzten Viertelstunde kam ein wenig Stimmung auf. Freilich nicht so, wie es sich die Bayern erhofft hatten. Van Nistelrooy, bis dahin völlig farblos, nutzte eine gute Vorlage des eingewechselten Silvestre zum überraschenden 0:1. Da durften wenigstens die höchstens 900 Fans aus Engand jubeln. Nicht allzu lange freilich. Kaum hatte Keane mit einem Gewaltschuss nur die Latte getroffen, gelang Sergio auf der Gegenseite doch noch der Ausgleich zum 1:1. Es war ein halbwegs versöhnlicher Abschluss.

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