Sport : Verspielte Sicherheit

Das deutsche Team unterliegt bei der Eishockey-WM den USA 0:3

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Berlin/Mytischtschi - Statistiken spiegeln im Eishockey nicht immer Kräfteverhältnisse wider. Aber ein Torschussverhältnis von 23 zu 24 in einem Spiel, das zeugt schon von einer gewissen Ausgeglichenheit. Allerdings entscheiden Tore eine Partie, und da waren die USA gestern bei der Weltmeisterschaft in Russland um drei besser als die Deutschen, die trotz guter Leistung in der Arena von Mytischtschi 0:3 (0:1, 0:1, 0:1) unterlagen. „Wir hatten auch unsere Chancen, aber die haben ihre genutzt“, stellte der deutsche Kapitän Daniel Kreutzer aus Düsseldorf fest. Trotzdem hat das Nationalteam noch Chancen auf das Viertelfinale, für das die USA bereits vor ihrem letzten Spiel der Zwischenrunde qualifiziert sind. Die Deutschen müssen hoffen, dass Tschechien heute gegen Kanada verliert und ihrerseits die Weißrussen am Montag schlagen. Dann wären die Tschechen ausgeschieden und Deutschland weiter.

Peter Stastny ist Abgeordneter im Europarlament. Doch gestern freute sich nicht der Politiker, sondern die Privatperson Stastny über den Sieg der USA. Denn als die Schlusssirene erklang, da wurde sein Sohn Paul, zweifacher Torschütze, als bester Spieler der USA ausgezeichnet. 1985 wurde Paul – übrigens in Kanada – geboren, als sein Vater, der große Eishockeystar der Tschechoslowakei, in der National Hockey-League (NHL) beschäftigt war. Eine ungewöhnliche Konstellation, der die Deutschen gestern nichts abgewinnen konnten. Aber trotz der Niederlage gegen den Favoriten, das Team von Bundestrainer Uwe Krupp enttäuschte im Spiel nach dem 2:0-Erfolg gegen Tschechien nicht. Sie bestätigten auch im fünften WM-Spiel ihre Fortschritte. Krupp war insgesamt nicht unzufrieden, sagte aber: „Die Amerikaner waren eine Nummer besser.“

Schon nach drei Minuten lief Krupps Team einem 0:1-Rückstand hinterher. Doch nach dem Überzahltreffer von Stastny kam die deutsche Mannschaft ins Spiel, erarbeitete sich Chancen. Der Puck landete auch nach einem Schuss des Berliners Florian Busch im Tor der USA, aber der eigentlich reguläre Treffer wurde nicht anerkannt. Schiedsrichter Jyri Petteri-Ronn aus Finnland hatte kurz zuvor abgepfiffen. Auch im Mitteldrittel hielt die Mannschaft von Krupp mit, doch die US-Amerikaner, angeführt von Erik Cole, der 2005 mit den Berliner Eisbären Deutscher Meister wurde, waren cleverer. Stastny, in der NHL Teamkamerad von Cole bei den Carolina Hurricanes, stocherte den Puck kurz vor Ende des zweiten Abschnitts am indisponierten deutschen Torhüter Dimitri Pätzold vorbei ins Tor. Es war die Entscheidung, denn die Deutschen hatten nicht mehr die Kraft, um den Gegner zu beeindrucken. Lee Stempniak erhöhte im letzten Abschnitt sogar noch auf 3:0 für die USA – nach Vorlage des überragenden Stastny. Die NHL-Profis hinterließen insgesamt den besseren Eindruck und können in ihrer derzeitigen Verfassung um den Titel mitspielen. Die deutschen Spieler dagegen wirkten nach den anstrengenden Spielen gegen Norwegen (5:3) und gegen Tschechien binnen 28 Stunden gestern am Ende etwas erschöpft. „Unserer Mannschaft fehlte die Spritzigkeit“, sagte Franz Reindl, Sportdirektor des Deutschen Eishockey-Bundes.

Trotzdem gab es keinen Grund, enttäuscht zu sein, Aufsteiger Deutschland war bislang die Überraschung des Turniers und kann die WM am Montag noch mit einem Sieg gegen Weißrussland (14.15 Uhr, live in der ARD) erfolgreich abrunden. Auch wenn das dann vielleicht nicht für das Viertelfinale reicht: Es ist erstaunlich, wie stark das läuferisch gute Team inzwischen spielt. Mit den oft schlampigen Auftritten unter Krupps Vorgänger Greg Poss hat das nichts mehr zu tun. Uwe Krupp, seit Dezember 2005 Bundestrainer, leistet offensichtlich gute Arbeit – daher soll sein Vertrag beim DEB in den kommenden Tagen auch um ein Jahr verlängert werden.Tsp/dpa

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