Sport : Versprechen ohne große Worte

Leverkusen ist glücklich mit Trainer Jupp Heynckes – trotz seines Wechsels

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Foto: dapd
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Der flotte Spruch auf dem Münchner Rathausbalkon im Jahre 1990 war sicher der vollmundigste Ausrutscher, der dem Fußballlehrer Jupp Heynckes jemals unterlaufen ist. „Ich verspreche euch den Europapokal“, hatte der damalige Bayern-Trainer gerufen, was er später nicht erfüllen konnte und bereute, überhaupt gesagt zu haben. In den Jahren danach – auch bedingt durch eine lange Pause – schlug der heute 65-Jährige eher moderate Töne an. Bis zum Samstag. Diesmal saß Jupp Heynckes auf dem Podium des Medienraumes im Fritz-Walter-Stadion und kündigte an, in 14 Tagen nach München fahren zu wollen, um dort mit Bayer Leverkusen „zu gewinnen“.

Das hätte Heynckes bei sieben Punkten Vorsprung auf den Dritten München nicht unbedingt sagen müssen. Er will aber den Beweis erbringen, dass die Verbindung mit seinem aktuellen Arbeitgeber nicht belastet ist durch seinen baldigen Wechsel zum FC Bayern, dem direkten Konkurrenten um einen Champions-League-Platz. Heynckes legt Wert darauf, weiter zu zeigen, „dass ich bis zum Schluss der Saison brenne“. Das, meinte Sportchef Rudi Völler, seien „keine Sprechblasen“, an der Aufrichtigkeit des Trainers gäbe es keine Zweifel. Überhaupt sei alles „intern viel ruhiger, als es von außen dargestellt würde“.

In Kaiserslautern wollte nicht mal Michael Ballack die Idylle stören. Er lehnte jedes Statement ab, entschuldigte sich artig für sein Schweigen und zog von dannen. Er hätte zumindest über das Ziel Champions League sprechen können, aber nicht mal das wollte er. Ballack spielt in Leverkusen eine untergeordnete Rolle, die er auch im Spiel selbst mehr mit Routine als mit Geistesblitzen würzt. So sprach Simon Rolfes, der als Sprecher der mannschaftsinternen Trauergemeinde des Heynckes-Abschieds gilt, vom „klaren und gemeinsamen Ziel“, das Trainer und Mannschaft hätten. „Da gibt es keine Unruhe bei uns“, sagte Rolfes. Nicht mal die Nachricht, dass Heynckes Assistent Peter Hermann, ein Leverkusener Urgestein, mit nach München nimmt, sorgte nach dem wichtigen 1:0 (0:0)-Sieg für Aufregung.

Nachdem Kaiserslauterns Torwart Kevin Trapp den Ball durch die Hände gleiten lassen hatte und Sidney Sams Volleytor Leverkusen zum Sieger gemacht hatte, vergaß der scheidende Coach nicht, auf den Wandel hinzuweisen, den man in Leverkusen vollzogen zu haben glaubt. „Früher“, sagte der 65-Jährige, habe man „Hurra-Fußball gespielt und am Ende 2:3 verloren“. Heute sei das Team reifer und cleverer. Den Verdacht der Schönspielerei räumten die Leverkusener in Kaiserslautern aus dem Weg. Bayer hatte zwar, wie Lauterns Trainer Marco Kurz meinte, die „reifere Spielanlage“, die Einfälle im Spielaufbau aber hielten sich in Grenzen. Was mit an Ballack lag, der trotz intensiven Aufbautrainings weit von früherer Form entfernt scheint. Was Heynckes über den umstrittenen Rekonvaleszenten sagte, weist auf das schwierige Verhältnis der beiden hin. Es sei „noch Luft nach oben“ meinte der Coach. Arturo Vidal sei heute der Auffälligere im Mittelfeld gewesen. Ballack sei aber schon viel besser als vor vier bis fünf Wochen, fügte Heynckes väterlich besorgt hinzu.

Vor vier bis fünf Wochen hoffte mancher in Leverkusen auf die Vertragsverlängerung von Heynckes – vergebens. Nun aber habe keiner ein Problem damit, dass der Trainer im Hintergrund den Bayern-Kader plane, sagte Völler. Der Trainer sei voll und ganz bei der Sache. „Wir“, meinte Heynckes zu dem Verhältnis zu seinen Spielern, „verstehen uns hier so gut, wir brauchen keine Worte“.

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