Sport : Versteckspiel hinter Liefke

SCC-Volleyballer mühen sich zum 3:1 gegen Wuppertal

Frank Bachner

Berlin. Für einen wichtigen Menschen könnte Stefan Temme ruhig bedeutender dreinblicken. Aber Temme schaut nur gütig durch seine Brillengläser, und deshalb muss Kaweh Niroomand die Dinge klarstellen. „Stefan Temme hat Marco Liefke gerettet“, sagt der Manager des Volleyball-Bundesligisten SC Charlottenburg. Liefke erlitt am Dienstag einen Muskelfaserriss, und Vereinsarzt Temme hatte den Diagonalangreifer bis zum Sonntag wieder einsatzfähig gemacht. Das war auch dringend nötig. Denn Liefke hatte gestern in der Sömmeringhalle großen Anteil daran, dass der SCC 3:1 (27:29, 25:17, 25:23, 26:24) gegen Bayer Wuppertal gewann. Liefke und Jan Günther. Liefke durch seine Angriffsbälle, Mittelblocker Günther durch seine harten Sprungaufgaben.

Vielleicht ist Rettung sogar ein wirklich gutes Wort. Denn den SCC muss man im Moment retten, einfach gewinnen kann er nicht. „Wir stellen uns immer wieder selber ein Bein“, sagte Niroomand. „Wir rufen unser Potenzial nicht ab. Wir machen Dinge, die wir nicht können. Deshalb haben wir gegen Friedrichshafen verloren, und deshalb werden wir auch weitere Spiele verlieren.“ Niroomand meinte die schnellen Bälle, mit denen Zuspieler Frank Dehne die Angreifer Liefke und Eugen Bakumowski, der ebenfalls hohe Bälle benötigt, bediente.

Mirco Culic, der Trainer, stellte fest, dass er nur eine wirkliche Führungsfigur hat. Und das ist Liefke. Als Liefke im ersten Satz pausierte, bekam der SCC sofort Probleme. Als er dann kam, erhielt er immer mehr Bälle. Die anderen versteckten sich hinter dem Nationalspieler. „Ich hatte eigentlich gedacht, dass ich drei, vier Führungsspieler habe, aber gesehen habe ich nur einen, Marco“, sagte Culic. Dumm nur, dass auch der einzige Führungsspieler des SCC teilweise unprofessionell auftritt. Niroomand bekam zufällig mit, dass Liefke das Training abbrechen musste. Und dann zwang er ihn förmlich dazu, noch am gleichen Abend beim SCC-Physiotherapeuten aufzutauchen. Und nur weil der Vorarbeit geleistet hatte, konnte Temme den Diagonalangreifer einigermaßen schnell fit machen.

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