Sport : Versteckte Komplimente

Robert Ide

Eigentlich gibt es kein besseres Kompliment für Franz Beckenbauer. Fifa-Präsident Joseph Blatter, der sich mit dem deutschen WM-Organisationschef vor dem Turnier über nahezu jedes Detail der Planung stritt, spricht Beckenbauer nun öffentlich die Fähigkeit ab, den Fußball-Weltverband zu leiten. Dass Blatter überhaupt auf Beckenbauer zu sprechen kommt, wenn es um die Zukunft der Fifa geht, zeigt dessen gestiegene Bedeutung in der internationalen Fußballgesellschaft. Dass Blatter gerade Beckenbauer sein Erbe abspricht, zeigt, dass der Schweizer seinem deutschen Rivalen mittlerweile alles zutraut.

Der Grund ist eine von Beckenbauer und seinem Team organisierte Weltmeisterschaft, die selbst die perfektionistische Fifa erstaunen lässt. Alle 64 Spiele sind ausverkauft, fast alle finden vor gefüllten Rängen statt – allerdings auch wegen eines legalisierten Schwarzmarktes. Bei 200 000 Akkreditierungen hat es nicht ein Problem gegeben. Mannschaften und Schiedsrichter konnten sich ohne Probleme vorbereiten. Sogar die Angst vor Terror und schwerer Randale hat sich bislang als unbegründet erwiesen. Erleichternd hinzu kommt eine Begeisterung von Millionen Menschen bei den Fanfesten, die die Fifa für die Zukunft auf noch höhere Einnahmen hoffen lässt als jene 1,6 Milliarden Euro, die sie schon mit diesem Turnier verdient. Blatter weiß genau, wem er das alles zu verdanken hat.

Noch neun Tage. In den Stadien rollt heute wieder der Ball, in den Städten wird weitergefeiert. Abgesehen vom Ausscheiden der deutschen Nationalmannschaft kann diesem Turnier wohl kaum noch etwas schaden. Auch deshalb beginnen schon jetzt hinter den Kulissen die Positionskämpfe für die Zeit danach. In diesem Spiel kann eine Attacke auch ein Kompliment sein – und umgekehrt.

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