Sport : Verstehen Sie Spaß?

Wenn Friedhelm Funkel nervös ist, dann tut er immer ganz locker. Nach dem Unentschieden zwischen Hansa Rostock und Hertha BSC sah das so aus: Der Cheftrainer des FC Hansa vergräbt beide Hände in den Taschen seiner Jeans und hebt zum Vortrag an. Wie üblich spricht Funkel vom harten Training seiner Mannschaft, dem fehlenden Glück auf dem Spielfeld und der bösen Polemik der Medien. Zeitungen, die Hansas sportliche Krise beschreiben, würden die Spieler belustigen, berichtet der Trainer und lacht. Ja, so locker geht es in Rostock zu. Wenn es nach Friedhelm Funkel geht.

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Bundesliga-Tippspiel: Das interaktive Fußball-Toto von meinberlin.de Doch der Fußballlehrer steht immer öfter allein da. Hansas Aufsichtsratschef Horst Klinkmann sah sich bereits genötigt, die Spieler in Eigenregie für den Abstiegskampf zu motivieren. In einer Ansprache verlangte er von ihnen vier Punkte aus den beiden Heimspielen gegen Hertha und Wolfsburg. Bis jetzt hat sich Hansa einen Punkt erkämpft. "Den Rest besprechen wir nach dem Wolfsburg-Spiel", sagt Klinkmann. Nach einem Vertrauensschwur für Funkel klingt das nicht. Die Fans haben den Trainer schon lange abgeschrieben. Sie verlangen "Fußball statt Funkel", haben genug von Defensivtaktik und Abstiegsangst. Zum Duell gegen Hertha kamen nur 14 700 ins neue Ostseestadion. Die moderne Arena war halb leer.

Vor der Saison hatten die Hansa-Verantwortlichen den Anhängern viel versprochen. Es sollte kein Zittern um den Klassenerhalt mehr geben - deshalb wurde der Kader auf allen Positionen mit etwa gleich starken Spielern besetzt. Das neue Stadion sollte zum Symbol für Rostocker Kontinuität avancieren, und der hartnäckige Friedhelm Funkel zur Identifikationsfigur im wirtschaftlich schwachen Mecklenburg-Vorpommern. Auch deshalb bekam sein Bruder Wolfgang einen Job als Kotrainer. Inzwischen geht ein Riss durch die Hansa-Familie. Transparente gegen den Trainer, Pfiffe gegen die Spieler, frustrierte Diskussionen beim Hansa-Fanprojekt - das sind Symptome tiefer Enttäuschung. Locker ist in Rostock nur noch einer: Friedhelm Funkel. Er sagt, dass Hansa gegen Wolfsburg nicht zum Siegen verdammt sei. Vielleicht sind solche Worte der Grund, dass sich die Fans an der Ostsee nach neuen Hoffnungsträgern sehnen.

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