Sport : Verstellte Kamera

Der VfB Friedrichshafen bleibt die Nummer eins im Volleyball

Karsten Doneck

Berlin. War es nur ein Versehen, eine kleine Tolpatschigkeit – oder doch ein gewollt böswilliger Akt? Letzteres vermutete Stelian Moculescu. Da hatte der Volleyball-Trainer des VfB Friedrichshafen doch in der Sömmeringhalle eine Videokamera aufgebaut, um das Bundesliga-Duell beim SC Charlottenburg aufzuzeichnen. Die hochwertige technische Ausrüstung blieb während des Spiels sich selbst überlassen. Als Moculescu nach dem 3:1-Sieg seiner Mannschaft das Videoband kurz überprüfte, sah er keine Bälle übers Netz fliegen, sondern Bilder von der Hallendecke. „Das ist mir jetzt zum zweiten Mal passiert. Da hat irgendein Zuschauer die Kamera verstellt“, moserte Moculescu sichtlich verstimmt. Sabotage? Mirko Culic, der SCC-Trainer, bereinigte aufziehende Missstimmung schnell. „Lass mal“, sagte Culic, „du kannst unser Videoband haben.“ Moculescu war halbwegs besänftigt.

Wenn sich Friedrichshafens Trainer daheim die Videoaufnahmen vom Spiel anschaut, wird er, der filigrane Volleyball-Arbeiter, nicht unbedingt nur Freude empfinden. Der VfB Friedrichshafen, im deutschen Volleyball seit Jahren klar dominierend, wirkte bei weitem nicht so stark und so souverän wie in den Vorjahren. Aber selbst das reicht noch, um die Nummer zwei im Lande, den SCC, ohne Aufregung niederzuhalten.

Der Unterschied zwischen Meister und Vizemeister liegt im Detail. „Wenn zwei, drei Spieler bei uns völlig unter Normalform spielen, hast du gegen Friedrichshafen keine Chance“, sagte SCC-Manager Kaweh Niroomand. Seine Kritik zielte auf Zuspieler Frank Dehne und auf den in der Annahme schwächelnden Vincent Lange. Auch Culic gab zu: „Es steckt mehr in der Mannschaft.“

Wie er denn das Leistungsgefälle zwischen dem VfB und seinem Team einschätze, wurde Culic gefragt. „Friedrichshafen ist klar die Nummer 1, erst eine Treppenstufe tiefer stehen der TSV Unterhaching und wir.“ Moculescu vernahm das und riet: „Dann können wir ja jetzt aufhören mit der Meisterschaft. Machen wir doch gleich die Siegerehrung.“ Etwas Geduld muss Mosculescu da schon noch aufbringen.

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