Verteidiger verlässt Hertha : Josip Simunic geht nach Hoffenheim

Josip Simunic verlässt Hertha. Für sieben Millionen Euro wechselt der Innenverteidiger nach Hoffenheim. Mit dem Geld kann Hertha nun selbst auf dem Transfermarkt aktiv werden.

Sven Goldmann,Stefan Hermanns
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Bye bye Berlin. Josip Simunic zieht es in die Provinz.Foto: ddp

Wenn Arne Friedrich, der Kapitän von Hertha BSC, heute nach seinem Urlaub wieder die Arbeit aufnimmt, wird er mit Bedauern feststellen, dass sein Wort unter Kollegen kein besonderes Gewicht mehr hat. Friedrich hat sich gerade im Magazin „11 Freunde“ persönlich an Josip Simunic gewandt und seine Hoffnung ausgesprochen, „dass du der Hertha erhalten bleibst“. Schließlich könne es in Zeiten des Umbruchs nicht schaden, mit einer eingespielten Abwehr in die Saison zu gehen: „Was meinst du, Joe, du bist doch fast ein echter Berliner?“ Joe meint: Nein! In der nächsten Woche wird er zwar noch einmal in die Stadt kommen – allerdings nur um seinen Vertrag mit dem Berliner Fußball-Bundesligisten aufzulösen. Ab der neuen Saison spielt der 31 Jahre alte Innenverteidiger für die TSG Hoffenheim. Simunic macht von der Ausstiegsklausel in seinem Vertrag Gebrauch, die ihm bis zum 30. Juni einen Vereinswechsel ermöglicht hat. Hertha kassiert im Gegenzug sieben Millionen Euro.

Viel Geld für einen 31-Jährigen, das gibt auch Hoffenheims Manager Jan Schindelmeiser zu. Natürlich habe man diskutiert, ob man die Frist verstreichen lasse, um den Preis zu drücken, aber man habe auch keine verbrannte Erde hinterlassen wollen. Simunic erhält bei den Hoffenheimern einen Dreijahresvertrag. „Er ist ein Wunschspieler des Trainers“, sagt Schindelmeiser. „Ralf Rangnick wollte ihn unbedingt haben.“ Als Abkehr von der Vereinsphilosophie, junge Spieler zu verpflichten und auszubilden, sieht Schindelmeiser die Verpflichtung nicht. „Es geht nicht nur mit 18- und 19-Jährigen“, sagt er. „Man braucht auch Routine.“

Bei Hertha sieht man den Wechsel des Verteidigers mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Die Mannschaft verliert einen wichtigen Leistungsträger. Trainer Lucien Favre hätte Simunic gern behalten; entsprechend vehement hat er bestritten, Zweifel an dessen Leistungsfähigkeit geäußert zu haben. Wahrscheinlicher ist, dass Simunic mit dem Verweis auf eine derartige Äußerung Favres seinen Wechsel forcieren und moralisch rechtfertigen wollte. Erst Ende Mai hatte er bei Herthas Mitgliederversammlung versprochen: „Irgendwann werden wir Deutscher Meister.“ Auch wegen solch melodramatischer Auftritte hatten die Fans den Kroaten ins Herz geschlossen.

Die andere Seite ist, dass Hertha durch den Verkauf nun die finanziellen Mittel besitzt, um selbst auf dem Transfermarkt tätig zu werden. Die Berliner müssen in diesem Jahr einen Überschuss von fünf Millionen Euro erwirtschaften. „Natürlich erleichtert uns das die Arbeit“, sagt der neue Manager Michael Preetz, der nun mindestens zwei Millionen Euro für Neuverpflichtungen zur Verfügung hat.
Hoffenheims Angebot ging gestern Vormittag bei Hertha ein. Überrascht waren die Berliner nach allem, was sie gehört hatten, nicht.

Auch an Simunics Wechselwillen konnte eigentlich kein Zweifel bestehen. „Ich sehe in Hoffenheim einen jungen, modernen Klub mit großen Ambitionen“, teilte er nach dem Vollzug des Transfers mit. Es ist nicht lange her, da hatte Josip Simunic noch ganz andere Ziele: Da träumte er von einem Verein, der in der Champions League spielt und Titel holt, da wollte er am liebsten ins Ausland wechseln, um noch eine neue Sprache zu lernen. Vielleicht kann die Volkshochschule Sinsheim helfen. Sie bietet Kurse in Arabisch, Chinesisch und Russisch an.

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