Sport : Verteidigung ersetzt Sturm

Fußballerinnen besiegen Nigeria mühevoll 1:0

Andreas Morbach

Peking - Als Erste gratulierte Annike Krahn, die junge Kollegin aus der Abwehr. Das 1:0 (0:0) der deutschen Frauenfußball-Nationalmannschaft gegen Nigeria war gerade seit drei Sekunden amtlich, da hatte die Duisburgerin Krahn die wenigen Meter bis zur Wattenscheiderin Kerstin Stegemann überbrückt und flog der Spielerin des Tages um den Hals. Stegemanns von der schwülen Hitze in Shenyang ohnehin schon glühendes Gesicht wurde in dem Moment noch eine Nuance stärker rot. Doch die Anstrengung lohnte sich.

Denn die Deutschen haben beste Chancen, ins Viertelfinale einzuziehen – die Mannschaft von Silvia Neid kann am Dienstag ziemlich entspannt in ihr letztes Vorrundenspiel gegen Nordkorea gehen. Von entspannter Stimmung allerdings war bei der Bundestrainerin zu Beginn der Partie nicht die Rede. Denn die deutschen Frauen offenbarten in der Offensive einige Schwächen. Aus dem Mittelfeld kamen zu wenig Impulse, der Sturm war zu harmlos. In der ersten Halbzeit hatten die Deutschen nur zwei Torchancen. Torhüterin Nadine Angerer musste ihre Mannschaft sogar vor einem Rückstand bewahren. Bis dann Verteidigerin Kerstin Stegemann in der 65. Minute nach einer Flanke der kurz zuvor eingewechselten Potsdamerin Anja Mittag den Siegtreffer erzielte.

Ihre ungewohnte Rolle als Heldin konnte Stegemann allerdings nicht sofort genießen: Kaum vom Platz, wurde die 30-Jährige zur Dopingkontrolle gebeten. „Ich hatte das Gefühl“, stammelte sie auf dem Weg dorthin, „dass man die Luft heute durchschneiden konnte. Das war richtig hart.“

Und am Ende richtig ungewöhnlich: In ihren zuvor 181 Länderspielen hatte die Pferdeliebhaberin schließlich gerade einmal sieben Treffer erzielt – sozusagen als Gegenstück zu Birgit Prinz, der hauptamtlichen Torschützin im Team der Weltmeisterinnen (184/121). In China blieb jedoch nicht nur Prinz, sondern der gesamte Angriff bislang torlos. Und so musste für den olympischen Premierentreffer eben die blonde Frau aus der Abwehr sorgen.

Kleine Prinz, große Stegemann, das reicht – schon steht die Elf von Trainerin Neid im Viertelfinale. Dabei mussten sich die DFB-Frauen nach dem vor allem im Offensivspiel enttäuschenden 0:0 zum Auftakt gegen Vize-Weltmeister Brasilien sogar schon mit einem vorzeitigen Aus bei Olympia befassen. „So etwas will ich mir gar nicht vorstellen“, hatte Prinz vor dem Spiel gegen Nigeria verkündet. Nun kann sie sich erheblich schönere Gedanken machen. Andreas Morbach

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